Allgemeine Grundlagen und Methoden des zusammengefassten Abschlusses

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2. Anwendung und Auswirkungen neuer bzw. überarbeiteter Rechnungslegungsvorschriften

Im Geschäftsjahr 2017 wurden folgende Rechnungslegungsvorschriften erstmalig angewandt:

Name des Standards, der Standardänderung oder der Interpretation
IAS 7Änderungen: IAS 7 Kapitalflussrechnung
IAS 12Änderungen: IAS 12 Ertragssteuern - Ansatz von aktiven latenten Steuern bei nicht realisierten Verlusten
DiverseÄnderungen: Jährliche Verbesserungen an den IFRS: Zyklus 2014-20161
  • 1 Verpflichtende Anwendung teilweise 2017 und 2018.

    Die erstmalige Anwendung dieser neuen bzw. überarbeiteten Rechnungslegungsvorschriften hatte keine wesentlichen Auswirkungen auf die Darstellung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage.

    Veröffentlichte, aber im Geschäftsjahr 2017 noch nicht angewandte neue bzw. überarbeitete Rechnungslegungsvorschriften

    Die nachfolgend aufgeführten neuen Standards und Interpretationen sowie Änderungen an bestehenden Standards wurden vom IASB herausgegeben, waren jedoch im Geschäftsjahr 2017, sofern bereits in europäisches Recht übernommen, noch nicht verpflichtend anzuwenden. Ein eventuelles Wahlrecht zur freiwilligen vorzeitigen Anwendung wurde für diese Rechnungslegungsvorschriften nicht in Anspruch genommen.

    VERÖFFENTLICHTE, IM GESCHÄFTSJAHR 2017 ABER NOCH NICHT ANGEWANDTE NEUE BZW. ÜBERARBEITETE RECHNUNGSLEGUNGSVORSCHRIFTEN
    Anwendung verpflichtend/ voraussichtlich im GeschäftsjahrName des Standards, der Standardänderung oder der InterpretationÜbernahme in europäisches Recht bereits erfolgt
    2018IFRS 9Finanzinstrumente inklusive Änderungen an diesem StandardJa
    IFRS 15Erlöse aus Verträgen mit KundenJa
    IFRS 152Änderungen: Erlöse aus Verträgen mit KundenJa
    IFRS 22Änderungen: Klassifizierung und Bewertung von anteilsbasierten VergütungenJa
    IFRS 42Änderungen: Aufschub der Regelungen des IFRS 9 Finanzinstrumente für VersicherungsunternehmenJa
    IAS 402Änderungen: Übertragungen von als Finanzinvestition gehaltenen ImmobilienJa
    IFRIC 222Vorauszahlungen im Zusammenhang mit FremdwährungstransaktionenNein1
    2019IFRS 92Änderungen: Vorzeitige Rückzahlungsoptionen mit negativer VorfälligkeitsentschädigungNein1
    IFRS 16LeasingverhältnisseJa
    IAS 282Änderung: Langfristige Anteile an assoziierten Unternehmen und GemeinschaftsunternehmenNein1
    IFRIC 232Steuerrisikooptionen aus ErtragsteuernNein1
    IAS 192Änderungen: Plananpassungen, -kürzungen oder -abgeltungenNein1
    Diverse2Änderungen: Jährliche Verbesserungen an den IFRS: Zyklus 2015-2017Nein1
    2021IFRS 172VersicherungsverträgeNein1
    • 1 Da der Standard, die Änderung oder die Interpretation noch nicht in europäisches Recht übernommen sind, besteht kein verbindlicher Anwendungstermin innerhalb der Europäischen Union. Gegenüber dem für die Zuordnung zu Geschäftsjahren zugrunde gelegten Erstanwendungstermin, wie er vom IASB vorgesehen ist, können sich daher noch Änderungen ergeben.
    • 2 Aus dem Standard, der Standardänderung oder der Interpretation werden keine bzw. nur unwesentliche Auswirkungen erwartet.

    Aus der erstmaligen Anwendung der neuen Standards oder Standardänderungen werden die nachfolgenden Auswirkungen auf die Abbildung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage erwartet.

    IFRS 9: Finanzinstrumente inklusive Änderungen an diesem Standard

    a) Klassifizierung und Bewertung

    Dieser Standard wird die bisherigen Regelungen des IAS 39 zur Bilanzierung von Finanzinstrumenten ersetzen. Der neue Standard wird die Bewertungskategorien des IAS 39 durch die beiden Kategorien „fortgeführte Anschaffungskosten“ und „beizulegender Zeitwert“ ersetzen. Die Einordnung eines Instruments in die Kategorie „fortgeführte Anschaffungskosten“ hängt sowohl von dessen Produktmerkmalen als auch vom Geschäftsmodell des Unternehmens ab. Bei Einordnung eines Instruments in die Kategorie „beizulegender Zeitwert“ ist ähnlich zur bisherigen Abbildung nach IAS 39 entweder eine ergebniswirksame Neubewertung oder eine Neubewertung mit Erfassung der Wertänderungen im sonstigen Ergebnis und somit im Eigenkapital möglich. Ausnahmen bestehen für die Veränderung des Zeitwerts finanzieller Verbindlichkeiten aufgrund von Änderungen des eigenen Kreditrisikos, das nicht in der GuV erfasst wird. Interne Analysen haben ergeben, dass voraussichtlich ein positiver Anpassungseffekt im unteren zweistelligen Millionenbereich entstehen wird. Der Effekt resultiert aus einer Umklassifizierung finanzieller Vermögenswerte von einer Bewertung „zu fortgeführten Anschaffungskosten“ zu „zum beizulegenden Zeitwert“. Die Kategorisierung von finanziellen Verbindlichkeiten unter IFRS 9 erfolgt weitgehend unverändert zu den derzeitigen Bilanzierungsvorschriften nach IAS 39.

    In Bezug auf die oben genannten Änderungen wird in Einklang mit den Übergangsvorschriften der modifiziert retrospektive Ansatz ohne Anpassung der Vorjahreszahlen angewendet. Die entsprechenden Übergangseffekte werden kumulativ in den Gewinnrücklagen ausgewiesen.

    b) Wertminderungsmodell

    Zudem beinhaltet der neue Standard Neuregelungen zur Ermittlung von Wertminderungen. Hierbei wird das bisherige Modell zur Berücksichtigung eingetretener Verluste durch ein mehrstufiges Modell zur Berücksichtigung erwarteter Verluste ersetzt. Die Analyseergebnisse zeigen, dass diese geänderten Regelungen keine wesentlichen Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage haben werden.

    In Bezug auf die oben genannten Änderungen wird, in Einklang mit den Übergangsvorschriften, der modifiziert retrospektive Ansatz ohne Anpassung der Vorjahreszahlen angewendet. Die entsprechenden Übergangseffekte werden kumulativ in den Gewinnrücklagen ausgewiesen.

    c) Abbildung von Sicherungsbeziehungen

    Daneben werden die Regelungen zur Abbildung von Sicherungsbeziehungen geändert. Bei der erstmaligen Anwendung des Standards haben Unternehmen das Wahlrecht, die Bilanzierung von Sicherungsgeschäften nach IAS 39 fortzuführen. Die Konzerne werden dieses Wahlrecht nicht in Anspruch nehmen. Die Regelung zur Abbildung von Sicherungsbeziehungen gemäß IFRS 9 sind darauf ausgerichtet, das betriebliche Risikomanagement und das hedge accounting stärker miteinander zu verbinden, um die tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnisse besser abbilden zu können. Im Zuge dessen werden die Konzerne ihre Risikomanagementstrategie einheitlich auf eine Plansicherung ausrichten. Dies wird zu prozessualen und bilanziellen Änderungen führen.

    Außerdem bietet der Standard die Möglichkeit, bestimmte Wertkomponenten von Sicherungsinstrumenten aus der Designation auszuschließen. Die Konzerne werden von diesem Wahlrecht Gebrauch machen und die Wertänderung des Zeitwerts von Optionen bzw. der Terminkomponente und des Fremdwährungs-Basis-Spreads von Termingeschäften als Kosten der Absicherung erfassen. Diese werden künftig in einer gesonderten Rücklage für Absicherungskosten im sonstigen Ergebnis ausgewiesen. Bisher wird der Zeitwert von Optionen als ineffektiver Teil bestehender Cashflow hedges im Finanzergebnis gezeigt. Der Ausschluss der Zeitwertkomponente von Optionen aus der Designation ist retrospektiv zu erfassen. Daher wird eine Anpassung der Vorjahreszahlen erforderlich sein. Diese bezieht sich auf die Umgliederung der unrealisierten Bewertungsergebnisse aus dem Zeitwert von Optionen aus dem Finanzergebnis in die Rücklage für Absicherungskosten.

    Hinsichtlich des Ausschlusses der Fremdwährungs-Basis-Spreads von Termingeschäften wird von dem Wahlrecht der retrospektiven Anwendung Gebrauch gemacht. Die Anpassung der Vorjahresvergleichszahlen wird sich auf eine Umgliederung des Bewertungsergebnisses aus Fremdwährungs-Basis-Spreads zwischen der Rücklage für Cashflow hedges und der Rücklage für Absicherungskosten beschränken.

    Die Terminkomponente wird für Termingeschäfte, die ab dem 1. Januar 2018 abgeschlossen werden, ausgeschlossen. Für Termingeschäfte, die vor diesem Zeitpunkt abgeschlossen wurden, ist die Terminkomponente Teil der Designation; der effektive Teil des Bewertungsergebnisses wird daher weiterhin in der Rücklage für Cashflow hedges ausgewiesen.

    Interne Analysen zeigen, dass die retrospektive Anwendung des IFRS 9 hinsichtlich der Abbildung von Sicherungsbeziehungen keine wesentlichen bilanziellen Auswirkungen haben wird. Die systemgestützte Implementierung des Standards ist derzeit noch nicht vollständig abgeschlossen, da sich Komponenten der Software seitens des Herstellers teilweise noch in der Entwicklung befinden. Dennoch ist sichergestellt, dass die abgebildeten Sicherungsbeziehungen der Konzerne die Anforderungen des IFRS 9 erfüllen können.

    Neben den oben genannten bilanziellen Änderungen werden durch die Anwendung des IFRS 9 i.V.m. IFRS 7 umfangreiche neue Anhangangaben erforderlich sein.

    IFRS 15: Erlöse aus Verträgen mit Kunden

    Der neue Standard gibt einheitliche Grundprinzipien zur Umsatzrealisation für alle Branchen und für alle Kategorien von Transaktionen vor und ersetzt die Vielzahl von Einzelregelungen. Zeitpunkt und Höhe von Umsatzerlösen orientieren sich dabei an einem fünfstufigen Modell. Im Ergebnis ist hiernach mit Übertragung der Verfügungsgewalt über eine Leistung die dieser Leistungsverpflichtung zuzurechnende anteilige Gegenleistung als Umsatzerlös zu realisieren. Die Übertragung der Verfügungsgewalt kann dabei nach wie vor zu einem Zeitpunkt oder über einen Zeitraum erfolgen. Daneben werden zahlreiche Detailfragen geklärt, zum Beispiel der Umgang mit Vertragsänderungen sowie die Bewertung variabler Gegenleistungen wie Rabatte, Rückgaberechte und Leistungsvergütungen. Außerdem enthält der Standard neue Leitlinien zu Prinzipal-Agenten-Beziehungen und zu Kosten zur Erlangung eines Vertrags. Auch die Anhangangaben zu Umsatzerlösen wurden deutlich ausgeweitet. Die Konzerne werden die modifiziert retrospektive Transitionsmethode anwenden, nach der ein kumulierter Anpassungseffekt zum Umstellungszeitpunkt erfasst wird. Interne Analysen zeigen, dass sich durch die Anwendung von IFRS 15 keine wesentlichen Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Konzerne ergeben. In der Bilanz werden sich insbesondere durch den separaten Ausweis von Vertragsverbindlichkeiten, z. B. durch erweiterte Garantien, Kundenbindungsprogramme und Gutscheine, sowie durch den Ausweis von Rückerstattungsverbindlichkeiten und Vermögenswerten aus Rückerhaltsansprüchen im Zusammenhang mit Kundenretouren Änderungen ergeben. Neben den oben genannten bilanziellen Änderungen werden durch die Anwendung des IFRS 15 erweiterte neue Anhangangaben erforderlich sein.

    IFRS 16: Leasingverhältnisse

    Der neue Standard IFRS 16 wird den derzeit geltenden Standard IAS 17 sowie IFRIC 4 ersetzen. In den Anwendungsbereich des IFRS 16 fallen grundsätzlich alle Miet- und Leasingverhältnisse, Untermietverhältnisse sowie Sale-and-Leaseback-Transaktionen.

    Ziel des neuen Standards ist es, die meist langfristigen finanziellen Verpflichtungen aus allen Miet- und Leasingverhältnissen bilanziell abzubilden. Die wesentliche Neuerung des IFRS 16 im Vergleich zu IAS 17 betrifft die Bilanzierung beim Leasingnehmer. So entfällt bei diesem künftig die Klassifizierung in Operating- und Finanzierungs-Leasingverhältnisse. Vielmehr muss der Leasingnehmer zu dem Zeitpunkt, zu dem ihm der Leasinggeber den Vermögenswert zur Nutzung überlässt, eine Verbindlichkeit und korrespondierend das Nutzungsrecht erfassen, das grundsätzlich dem Barwert der künftigen Leasingzahlungen zuzüglich direkt zurechenbarer Kosten entspricht. Während der Laufzeit des Leasingvertrags wird die Leasingverbindlichkeit finanzmathematisch fortgeschrieben, während das Nutzungsrecht planmäßig amortisiert wird.

    Beim Leasinggeber hingegen unterscheiden sich die Regelungen des neuen Standards nicht von den bisherigen Vorschriften des IAS 17. Für die Klassifizierung nach IFRS 16 wurden die Kriterien des IAS 17 übernommen.

    Die Konzerne erwarten eine signifikante Erhöhung der Bilanzsumme zum Erstanwendungszeitpunkt aufgrund des Anstiegs des Anlagevermögens, basierend auf dem Zugang der zu aktivierenden Nutzungsrechte, sowie durch die korrespondierenden Leasingverbindlichkeiten.

    Zur Ermittlung des Anpassungseffekts zum Zeitpunkt der erstmaligen Anwendung wird voraussichtlich der modifizierte retrospektive Ansatz zur Anwendung kommen. Die Leasingverbindlichkeit ist mit dem Barwert der zum Transitionszeitpunkt noch ausstehenden Leasingzahlungen unter Verwendung des Grenzfremdkapitalzinssatzes zum Zeitpunkt der erstmaligen Anwendung zu bewerten. Das Nutzungsrecht wird in gleicher Höhe bewertet abzüglich zurückgestellter Beträge, wenn es sich bei dem Leasingvertrag um einen belastenden Vertrag gemäß IAS 37 handelt. Der kumulierte Effekt hieraus wird in den Gewinnrücklagen erfasst.

    In der Gewinn- und Verlustrechnung werden künftig zusätzliche Abschreibungen und ein zusätzlicher Zinsaufwand anstatt von Miet- und Leasingaufwendungen erfasst (zum aktuellen Miet- und Leasingaufwand siehe Punkt 14 „Sonstige betriebliche Aufwendungen“).

    Die Konzerne werden von dem Wahlrecht Gebrauch machen, für geringwertige Leasinggegenstände und bei kurzfristigen Leasingverträgen weiterhin Miet- und Leasingaufwendungen unmittelbar in der Gewinn- und Verlustrechnung zu erfassen; Gleiches gilt voraussichtlich auch für die Ausübung des Wahlrechts zur Trennung von Leasing- und Nicht-Leasingkomponenten.

    Die Neuerung wird deutliche Auswirkungen auf die Darstellung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage haben (siehe dazu auch Punkt 24 „Leasing“).