SELEGGT-VERFAHREN

Auf neuen Wegen
früher am Ziel

Innovationen verschaffen Reputation. Die REWE Group vernetzt sich zur Thematik der Geschlechterbestimmung im Brutei mit wissenschaftlicher Grundlagenforschung, um sektorale Veränderungsprozesse zu fördern. Dies führte zur Gründung eines Joint Venture.

Glückssache, Geistesblitz oder doch eher Grundlagenforschung? Innovationsforscher sind sich nicht einig, wie gute Ideen entstehen. Aber alle wissen: Um aus einem genialen Gedanken ein marktreifes Produkt zu formen, bedarf es harter Arbeit, Beharrlichkeit und einer gehörigen Portion Risikobereitschaft. Am Anfang steht vielleicht eine spontane Eingebung. Aber deren Wert zeigt sich meist erst im Detail, wenn es um die Umsetzung geht.

Genau so war das bei der Idee, ein Verfahren zu entwickeln, das es möglich macht, bereits im Brutei von Legehennen das Geschlecht der Küken zu erkennen – zuverlässig und möglichst lange vor dem Schlupftermin. Bereits Mitte der neunziger Jahre begannen weltweit Veterinärmediziner in universitären und privaten Forschungseinrichtungen, Methoden zu testen, mit denen sich vorhersagen lässt, ob aus dem Brutei am 21. Tag ein männliches oder weibliches Tier schlüpft. Warum? Wer lange vor dem Schlupf das Geschlecht kennt, kann die männlichen Bruteier der Legerassen frühzeitig aussortieren und zum Beispiel zu einem hochwertigen Futterergänzungsmittel verarbeiten. Das heißt: Kein Küken muss mehr am ersten Lebenstag getötet werden, weil es keine Eier legt und es unwirtschaftlich ist, es weiter zu mästen – so wie es heute allein in Deutschland etwa 45 Millionen Mal im Jahr passiert.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner mit Dr. Ludger Breloh (links), Geschäftsführer SELEGGT GmbH, und Jan Kunath, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der REWE Group, am 8. November 2018 in Berlin bei der Vorstellung des SELEGGT-Verfahrens zur Geschlechtsbestimmung im Brut-Ei.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner mit Dr. Ludger Breloh (links), Geschäftsführer SELEGGT GmbH, und Jan Kunath, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der REWE Group, am 8. November 2018 in Berlin bei der Vorstellung des SELEGGT-Verfahrens zur Geschlechtsbestimmung im Brutei.

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Nur: Wie lässt sich das Geschlecht im Brutei erkennen? Prof. Dr. Almuth Einspanier, Fachtierärztin am Veterinär-Physiologisch-Chemischen Institut der Universität Leipzig, verfolgt seit 2011 einen eigenen Ansatz: die endokrinologische Geschlechterbestimmung. „Wir haben nachgewiesen, dass sich in der Allantoisflüssigkeit eines weiblichen Bruteis Östronsulfat, also ein weibliches Geschlechtshormon, befindet. Wenn wir eine minimale Menge dieser Flüssigkeit nehmen und auf einen Marker geben, der auf Östronsulfat reagiert, wissen wir, ob in dem Ei ein männliches oder ein weibliches Tier heranwächst“, erläutert sie.

Klingt nach einer einfachen, genialen Idee. Die Herausforderung besteht jedoch darin, dieses Verfahren so weiterzuentwickeln, dass praxisreife Lösungen entstehen. Dazu gehört zum Beispiel der zweifelsfreie Nachweis, dass die non-invasive Flüssigkeitsentnahme keine negativen Folgen für das Brutei hat. Hier leisteten Forscher der Universität Osnabrück Unterstützung. Sie verglichen Hennen, die als Brutei durch das endokrinologische Verfahren gelaufen sind, mit Tieren aus einer konventionellen Brüterei und stellten keinerlei Entwicklungs- oder Leistungsunterschiede fest.

Das Joint Venture „SELEGGT GmbH“ soll die Methode der Geschlechterbestimmung weiterentwickeln

Die REWE Group erkannte früh den Wert der Grundlagenforschung an der Universität Leipzig, die vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit mehreren Millionen Euro gefördert wurde. Schon 2013 gab es erste Kontakte zum Veterinär-Physiologisch-Chemischen Institut. „Das endokrinologische Verfahren erschien uns von Anfang an besonders geeignet, um in einem möglichst breiten Umfang Anwendung zu finden“, betont Dr. Ludger Breloh, Bereichsleiter Strategie & Innovation der REWE Group. Im vergangenen Jahr gründete die REWE Group zusammen mit dem führenden niederländischen Brütereitechnologie-Unternehmen HatchTech und in Kooperation mit der Universität Leipzig ein Joint Venture: die SELEGGT GmbH. Sie soll die Methode der Geschlechtsbestimmung im Brutei so weiterentwickeln, dass sie in jeder Brüterei eingesetzt werden kann und damit möglichst bald dem millionenfachen Kükentöten ein Ende setzt.

Mehr Tierwohl als Ergebnis eines Venture-Capital-Projekts dreier höchst unterschiedlicher Partner – das entspricht in besonderer Weise der genossenschaftlichen Idee: Was einer nicht schafft, schaffen mehrere – zum Wohle aller. 

„Wir wollen universitäre Forschung künftig noch stärker unterstützen. So haben wir eine gute Chance, noch früher Innovationen zu entwickeln und als Erster mit neuen Produkten im Markt zu sein.“ Ludger Breloh, Bereichsleiter Strategie & Innovation der REWE Group

Innovationen sorgen für Aufmerksamkeit. Sie verschaffen Reputation. Und sie bescheren, im besten Fall, wirtschaftlichen Erfolg. Es gibt somit gute Gründe, sich auf die Suche nach Trends und neuen Entwicklungen zu machen. Denn am Anfang einer Produkt-Karriere steht sehr häufig eine zunächst utopisch klingende Idee. Ob daraus ein marktfähiges Produkt wird, zeigt sich meist erst sehr viel später. Wer innovativ sein will, muss offen sein für neues Denken, muss vielleicht auch einmal gegen den Strom schwimmen und beharrlich sein. Vor allem aber muss er sich so vernetzen, dass er frühzeitig Zugang zu neuen Ideen erhält. Zum Beispiel, wie im Fall der Geschlechtsbestimmung im Brutei, durch engen Kontakt und regelmäßigen Austausch mit wissenschaftlicher Forschung. Hochschulen sind häufig eine ergiebige Quelle für Innovationen. Mit diesem Vorgehen hat die REWE Group insbesondere in der Eierproduktion bereits mehrfach Entwicklungen angestoßen, die heute Branchenstandard sind und für mehr Tierwohl sorgen. Zum Beispiel durch ein gemeinsames Projekt mit der Universität Osnabrück und der Tierärztlichen Hochschule Hannover: Zusammen mit einem Eierlieferanten entwickelten sie Lösungen, wie Legehennen ohne das schmerzhafte Kürzen des Schnabels gehalten werden können. In der Konsequenz verpflichtete die REWE Group alle Eigenmarken produzierenden Lieferanten, ihre Hennen mit Langschnabel zu halten. Andere Händler folgten diesem Beispiel. Auch bei der Aufzucht von Bruderhähnen arbeitete die REWE Group eng mit der Hochschule Osnabrück zusammen. Mit wissenschaftlicher Begleitung testete sie in eigens gepachteten Ställen, unter welchen Bedingungen sich männliche Küken mästen lassen – um nicht gleich nach der Geburt getötet zu werden.

200

Über 200 Märkte verkauften Ende 2018 respeggt-Eier. Im Frühjahr 2019 waren es bereits über 300 Märkte.

Mit SELEGGT ist die REWE Group erstmals als Joint-Venture-Partner mit ins Risiko gegangen – ohne die letzte Sicherheit, dass das Gemeinschaftsprojekt ein Erfolg werden wird. Ein Leuchtturmprojekt, das durchaus multiplizierbar ist. „Wir wollen universitäre Forschung künftig noch stärker unterstützen. So haben wir eine gute Chance, noch früher Innovationen zu entwickeln und als Erster mit neuen Produkten im Markt zu sein“, betont Ludger Breloh. Ansatzpunkte für die Begleitung wissenschaftlicher Projekte gibt es viele, auch jenseits des Geflügelbereichs. Zum Beispiel bei der Suche nach skalierbaren, industriellen Lösungen für die Aufzucht und Verarbeitung von Insekten zu Nahrungsmitteln. Oder bei Kreislaufprojekten in der Aquakultur. Gut möglich, dass die enge Zusammenarbeit mit einer Hochschule wie bei SELEGGT wieder in einem Joint Venture mündet. Das ist aber kein Muss. Entscheidend ist, gemeinsam eine Innovation zu entwickeln, die nicht nur die Position der REWE Group als Taktgeber für nachhaltige Produkte unterstreicht, sondern, im besten Fall, auch im gesamten Markt für mehr Tierwohl sorgt.

SELEGGT-Verfahren erzeugt respeggt-Eier – Eier ohne Kükentöten

Seit Herbst 2018 sind erstmals respeggt-Freilandeier „Ohne Kükentöten“ in mittlerweile über 300 REWE- und PENNY-Märkten im Großraum Berlin erhältlich. Diese Eier sind neben dem Siegel auf der Verpackung auch mit einem respeggt-Stempel auf dem Ei gekennzeichnet. So kann der Kunde direkt erkennen, ob in einer respeggt-Verpackung auch respeggt-Eier enthalten sind. Über 200 Märkte verkauften bereits Ende 2018 respeggt-Eier. Im Frühjahr 2019 waren es bereits über 300 Märkte. Bis Ende 2019 sollen die Produkte in allen PENNY- und REWE-Märkten in Deutschland erhältlich sein.  

Mehr zu respeggt: www.respeggt.com