REWE Group
Geschäftsbericht 2020

Das war
unser
Corona-Jahr

Corona-Pandemie
Hamsterkäufe bei Lebensmitteln, Rückholaktionen für Urlauber:innen, Homeoffice: Das Corona-Jahr forderte Mitarbeiter:innen und Kaufleute in der REWE Group in vielfältiger Weise. Lesen Sie, was sie 2020 bewegte.

Plötzlich alles anders

Mit Ausbruch der Pandemie mussten sich die Menschen in Deutschland und Europa an Einschränkungen und Ungewissheiten gewöhnen. In hohem Tempo veränderte sich vieles – im Privatleben und im Beruf. Mobiles Arbeiten, Homeoffice und Videokonferenzen wurden binnen kürzester Zeit selbstverständlich. Neue Geschäftsmodelle und Services etablierten sich und die Digitalisierung vieler Geschäftsprozesse schritt rasant voran. Auch in der REWE Group hinterließen die Corona-Krise und ihre Folgen im In- und Ausland tiefe Spuren.


Die Kolleg:innen in den Märkten und Lägern sowie an den Zentralstandorten standen plötzlich ebenso wie die Mitarbeiter:innen der Touristik vor nie erlebten Herausforderungen. Die zu bestehen erforderte viel Kraft und außergewöhnlichen Einsatz. Viele erlebten in dieser Zeit aber auch berührende Momente – zum Beispiel, wie ihr Team in der Pandemie eng zusammenrückte oder Kunden sich aufrichtig und herzlich für ihr Engagement bedankten. Eine Stimmensammlung gibt Einblicke in die persönlichen Erfahrungen einiger Mitarbeiter:innen aus allen Bereichen des Unternehmens. 

An die Grenzen und darüber hinaus

„2020 waren wir in Gangelt der erste bekannte Hotspot in Deutschland. Die ersten Tage stand das Telefon wegen Lebensmittelbestellungen nicht mehr still. Wir sind bis an die Grenzen und auch darüber hinaus gegangen, um die Versorgung der Kund:innen zu gewährleisten. Die Marktmitarbeiter:innen haben alles gegeben, sodass wir die Warenversorgung sicherstellen konnten. Mut machte uns die Zuversicht derer, die noch gesund waren und für die anderen mit gesorgt haben, nach dem Motto: Das wird auch alles wieder gut.“

Heinz Schmitz
REWE-Kaufmann, Gangelt

Ein bisschen
Normalität

„Die größte Herausforderung vor allem zu Beginn der Pandemie war, den Kund:innen deutlich zu machen, dass wir alles tun, damit sie gefahrlos in unserem Markt einkaufen können. Anfangs hatten auch viele von uns Angst, sich anzustecken. Im Grunde waren wir im Einzelhandel doch fast die Einzigen, die den Menschen ein Minimum an Normalität vermittelten. Sonst mussten sie überwiegend zu Hause bleiben. Diese Erkenntnis war der Grund, dass ich meine Arbeit in dieser Zeit professionell erledigte.“

Simona Belli
Verkäuferin PENNY-Markt Sciacca / Sizilien

Run auf
Toilettenpapier

„Aufgrund des irrationalen Verhaltens der Kund:innen versuchten wir rund um die Uhr, Toilettenpapier zu beschaffen. Die exorbitanten Mengensteigerungen stellten unsere bestehenden Lieferanten vor große Herausforderungen, sodass wir im Ausland zukaufen mussten. Kund:innen, die nicht zur rechten Zeit im Markt waren, griffen zu Ersatzartikeln wie feuchtem Toilettenpapier oder Taschentüchern. Auch deutlich erhöhte Liefermengen verhinderten nicht, dass die Regale in den Märkten teilweise bereits kurz nach Ladenöffnung leer waren.“

Nils Heinrichs
Bereichsleiter Getränke/Bio/Nearfood, und Gabi Runkel, Einkauf Papier/Folien/Tiernahrung, REWE Group

Alle hielten
zusammen

„Mit Ausbruch der Corona-Pandemie änderte sich vieles schlagartig, gefühlt von einem Tag auf den anderen. Anfangs war nicht klar, ob und wie lange der Handel aufsperrt. Alle waren verunsichert. Mein Filialteam bekam zusätzliche Arbeitskräfte und es war ein großer Zusammenhalt spürbar. Viele Menschen haben sich freiwillig gemeldet und wollten helfen. Manche Kund:innen fürchteten leere Regale. Doch diese Sorge erwies sich schnell als unbegründet.“

Sandra
BILLA-Marktmanagerin, Österreich

Wenig Beratung, viel Wert­­schätzung

„In Zeiten von Corona ist im Alltag mehr Vorsicht geboten. Das ist sehr herausfordernd, aber natürlich ist es sehr wichtig, die Schutzmaßnahmen zu beachten – für sich selbst und die Kund:innen. In der Filiale kann derzeit leider nur wenig Beratung stattfinden. Positiv ist, dass viele Kund:innen unsere Arbeit besonders wertschätzen. Trotz der herausfordernden Situation ist der Teamgeist in unserer Filiale sehr gut – wir halten zusammen.“

Julia
BIPA-Filialmitarbeiterin, Österreich

Ein neuer
Kompass

„Wenn sich alles verändert, verändere alles! Diese Philosophie wurde 2020 zu meinem Kompass. Im Lockdown gab es Tage, an denen ich mich ohnmächtig fühlte. Mit der Zeit habe ich gelernt, die neuen Regeln unseres Miteinanders nicht als negative Einschnitte in meinen Arbeitsprozess zu sehen. Ich habe begonnen, Veränderungen proaktiv herbeizuführen. Letztlich ist die Pandemie eine Chance für die Entwicklung jedes Einzelnen und des Teams.“

Martin Dörnhöfer
Marktleiter toom Baumarkt, Bamberg

Doppelte Arbeit,
kaum Verdienst

„So eine Situation habe ich in mehr als 20 Jahren in diesem Beruf noch nie erlebt! Viele Reisen, die wir ausgearbeitet und gebucht hatten, mussten wir komplett stornieren. Doppelte Arbeit und kaum Verdienst. Oft war eine Umbuchung nicht möglich, denn auf wann soll man umbuchen, wenn man nicht weiß, wie lange diese Situation anhält? Toll, dass viele Kund:innen uns ihre Treue zusagten für die Zeit, in der man wieder sorgenfrei reisen kann.“

Annette Borth
DER Reisebüro, Singen

Heraus­forderung
HomeOffice

„Aus dem Büro ins Homeoffice zu wechseln und mich mit den Kolleg:innen überwiegend digital auszutauschen – daran habe ich mich erst gewöhnen müssen. Unsere größte Herausforderung bestand darin, schnellstmöglich für den Schutz von Mitarbeitenden und Kund:innen in den Märkten zu sorgen. Zum Beispiel, indem wir für persönliche Schutzausrüstungen, Desinfektionsmittel sowie Schutzeinrichtungen an den Kassen sorgten.“

Kristine Schindler
Koordinatorin Vertrieb National PENNY

Achtung Anste­ckungs­gefahr!

„Viele Kund:innen kennen wir schon lange. Wir sprechen über die unterschiedlichsten Dinge, wenn wir zu ihnen kommen. Im vergangenen Jahr war dagegen alles auf das Nötigste beschränkt – um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren. Viele Kund:innen verfügen nur über kleine Lagerräume. Sie sind auf die bestellten Waren dringend angewiesen. Aber unsere Touren mussten aufgrund veränderter Öffnungszeiten oder vorübergehender Schließungen immer wieder neu geplant werden.“

Thilo Schmitt (Bild oben) und Thomas Kluge
Fahrer bei Lekkerland am Standort Limburg bzw.
München/Dettingen

Wocheneinkauf
mit Abholservice

„Unser Abholservice wurde in der Pandemie noch einmal stärker genutzt. Interessant war der Blick in den Warenkorb. So gab es anfangs Kund:innen, die versuchten, eine ganze Palette Toilettenpapier zu ordern. Die meisten, die bei uns bestellten, waren Familien, die ihren kompletten Wocheneinkauf tätigten. Auch gab es viele Risikopatient:innen, die in Zeiten von Corona ihre Kontakte reduzieren wollten.“

Jan Müller
REWE-Kaufmann, Bitburg

Expandieren
in der Pandemie

„In der Pandemie neue Märkte zu eröffnen – das war eine besondere Herausforderung. Vor allem bei der Kommunikation mit den Behörden. Denn die Öffnungszeiten der tschechischen Ämter waren verkürzt. Und von persönlichen Gesprächen auf Videokonferenzen umzusteigen, bedeutete anfangs eine große Umstellung. Gefreut habe ich mich insbesondere über unseren Kleinformat-Pilotmarkt in Strašice bei Pilsen, der im Dezember 2020 eröffnet wurde.“

Michael Polaschek
Expansionsleiter, BILLA Tschechien

Schnell raus aus Thailand

„Alle unsere Gäste mussten ihren Urlaub abbrechen und Thailand schnell verlassen. Das bedeutete eine große Herausforderung für unser Team. Jeder Gast hatte eine individuelle Wahrnehmung der Pandemie. Jeder besaß einen anderen Wissensstand. Es gab unterschiedliche Wünsche und Forderungen. Darauf mussten wir eingehen, während es in unserem Zielgebiet immer mehr Einschränkungen gab. Unser ‚Treibstoff‘ war die Dankbarkeit und Wertschätzung der Gäste.“

Thomas Berlin und Timo Entenmann
Go Vacation Thailand

Tränen in den
Augen

„Der Zusammenhalt im Team und die Dankbarkeit der Kund:innen waren einzigartig. Als wir eines Morgens zum Markt kamen, war die Fensterfront mit Plakaten beklebt, auf denen die Kund:innen sich für unseren Einsatz bedankten. Da hatten wir Tränen in den Augen. Nicht immer einfach war es, die Hygieneregeln zu vermitteln. Zum Beispiel, dass ein Marktbesuch nur mit Einkaufswagen möglich ist. Trotz allem waren wir froh, jetzt hier zu arbeiten. Einen Job im Homeoffice hätten wir uns nicht vorstellen können.“

Tanja Erb, Marktleiterin, und
Astrid Hemberger,
Mitarbeiterin PENNY-Markt Malsch

Corona als
berufliche Chance

„Die Kund:innen freuten sich mehr denn je, wenn ich ihre Bestellungen geliefert habe. Aber viele sind auch sehr vorsichtig geworden. Sie tragen Maske, halten Abstand. Manche lassen sich auch die Waren vor die Tür stellen, um Kontakt zu vermeiden. Für mich persönlich war Corona eine berufliche Chance. Ich habe kurz vor Ausbruch der Pandemie als Fahrer angefangen; heute kümmere ich mich im Büro um Tourenplanung und Fahrzeugorganisation.“

Roberto Naitana
REWE Lieferservice-Fahrer

Viel Arbeit für das
„Team Gerechtigkeit“

„Die Bestellungen der Märkte in den ersten Wochen der Pandemie fühlten sich an wie Weihnachten. Nur: Sie waren noch zahlreicher, kamen ohne Vorankündigung und hörten einfach nicht auf. Hervorheben möchte ich unser ‚Team Gerechtigkeit‘, so haben wir es genannt. Mehr als zehn Kolleg:innen aus verschiedenen Bereichen des Vertriebs und der Logistik, die alle Bestellungen kürzten, die über die festgelegten Mengen hinausgingen.“

Jens Fuchs
Warenflusssteuerer, REWE Logistik Region West

Tempo, Tempo,
Tempo

„Anfangs war uns nicht bewusst gewesen, was auf uns zukommt. Aber bald kümmerten wir uns quasi rund um die Uhr um unsere Kund:innen, die an ihrem Urlaubsort festsaßen. Sobald wir erfuhren, dass eine Rückholmaschine aus dem Zielgebiet rausgeht, nahmen wir Kontakt auf. Wir mussten schnell sein, denn immer wieder wurden Flüge kurzfristig gestrichen. Es gab unzählige E-Mails und Anrufe für Umbuchungen und Erstattungen. Alle waren wichtig und dringend.“

Nadine Walter
Managerin Flugbereich DER Touristik