REWE Group
Geschäftsbericht 2019

Erläuterungen zur Gewinn- und Verlustrechnung

18. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag

Gliederung des Gesamtbetrags der Steuern vom Einkommen und vom Ertrag
in Mio. €20192018
Laufender Steuerertrag/-aufwand-61,6-125,5
davon Steuern vom Einkommen und vom Ertrag für das Berichtsjahr-176,7-147,7
davon Steuern vom Einkommen und vom Ertrag für Vorjahre115,122,2
Latente Steuern196,4-12,2
Gesamtbetrag der Steuern vom Einkommen und vom Ertrag134,8-137,7

Der laufende Steuerertrag für Vorjahre resultiert hauptsächlich aus einer Gewerbesteuererstattung infolge der BFH-Rechtsprechung (BFH-Urteil vom 25. Juli 2019 (III R 22/16)) zur gewerbesteuerlichen Hinzurechnungen von Reisevorleistungen, welche bisher im Geschäftsfeld Touristik bei der Ermittlung des Gewerbeertrags erhöhend berücksichtigt wurden. Der latente Steuerertrag resultiert überwiegend aus der Anwendung des IFRS 16.

Herkunft der latenten Steuerforderungen und -schulden auf temporäre Wertdifferenzen aufgrund unterschiedlicher Wertansätze nach Bilanzpositionen
in Mio. €31.12.201931.12.2018
latente Steuerforderungenlatente Steuerschuldenlatente Steuerforderungenlatente Steuerschulden
AKTIVA
Immaterielle Vermögenswerte195,4300,7172,9294,3
Sachanlagen189,3229,8105,8220,6
Langfristige finanzielle Vermögenswerte38,943,243,020,7
Vorräte54,78,970,47,7
Forderungen und sonstige Vermögenswerte42,417,449,021,9
Verlustvorträge56,40,041,80,0
Zinsvorträge0,40,00,10,0
Sonstige außerbilanzielle Sachverhalte3,70,01,10,0
PASSIVA
Pensionsrückstellungen203,515,5156,617,6
Sonstige Rückstellungen82,915,6276,631,2
Schulden312,344,7106,154,0
Gesamtbetrag latenter Steuerforderungen/-schulden1.179,9675,81.023,4668,0
davon langfristig998,5593,5770,5574,7
davon kurzfristig181,482,3252,993,3
Saldierung-561,6-561,6-621,6-621,6
Bilanzansatz618,3114,2401,846,4

Der Anstieg der latenten Steuerforderungen gegenüber dem Vorjahr ist im Wesentlichen auf das Geschäftsfeld Handel Deutschland infolge der Erstanwendung des IFRS 16 und der Fortentwicklung betreffender Bilanzposten im Geschäftsjahr 2019 zurückzuführen. Hierbei führte die Erstanwendung des IFRS 16 zu einer Verschiebung der latenten Steuern bei Drohverlustrückstellungen und Nutzungsrechten. Der Anstieg der latenten Steuerschulden betrifft im Wesentlichen die immateriellen Vermögenswerte und resultiert aus der Aufdeckung stiller Reserven auf Markenrechte infolge einer Einbringung und Erstkonsolidierung der RZAG zum 1. Mai 2019.

Sofern die Realisierung des latenten Steueranspruchs von zukünftigen zu versteuernden Ergebnissen abhängt, die höher als die Ergebniseffekte aus der Umkehrung bestehender zu versteuernder temporärer Differenzen sind, wurden latente Steuerforderungen nur angesetzt, sofern ausreichende substanzielle Hinweise für deren Realisierung in zukünftigen Perioden vorliegen. In Höhe von 57,9 Mio. € (Vorjahr: 305,2 Mio. €) werden bei Gesellschaften, die in der laufenden Periode oder in der Vorperiode steuerliche Verluste aufweisen, latente Steuerforderungen auf in zukünftigen Perioden abzugsfähige temporäre Differenzen gebildet, welche höher als die Ergebniseffekte aus der Auflösung bestehender zu versteuernder temporärer Differenzen sind. Dem Ansatz latenter Steuerforderungen unterliegen ausreichende substanzielle Hinweise für deren Realisierung in zukünftigen Perioden infolge von zukünftigen strukturellen Maßnahmen und bestehenden Steuerplanrechnungen. Für abzugsfähige temporäre Differenzen in Höhe von 227,3 Mio. € (Vorjahr: 404,8 Mio. €) wurden keine latenten Steueransprüche bilanziert.

Zusammensetzung der Vorträge, für die keine latenten Steuern angesetzt wurden
in Mio. €20192018
Körperschaftsteuer – Verlustvorträge
KSt – Verlustvorträge zum 31. Dezember912,8908,7
KSt – nicht angesetzte Verlustvorträge zum 31. Dezember742,3723,4
KSt – nicht angesetzte Verlustvorträge – Verfall größer 5 Jahre oder unbegrenzt vortragsfähig742,3723,4
Gewerbesteuer – Verlustvorträge
GewSt – Verlustvorträge zum 31. Dezember455,1471,0
GewSt – nicht angesetzte Verlustvorträge zum 31. Dezember309,6437,6
GewSt – nicht angesetzte Verlustvorträge – unbegrenzt vortragsfähig309,6437,6
Verluste nach § 15a EStG
Verluste nach § 15a EStG zum 31. Dezember10,211,5
Verluste nach § 15a EStG – nicht angesetzte Verlustvorträge zum 31. Dezember10,211,5
Verluste nach § 15a EStG – nicht angesetzte Verlustvorträge – unbegrenzt vortragsfähig10,211,5
Körperschaftsteuer – Zinsvorträge
KSt − Zinsvorträge zum 31. Dezember1,50,4
Gewerbesteuer – Zinsvorträge
GewSt − Zinsvorträge zum 31. Dezember1,50,0
Steuervorteil außerbilanziell
Steuervorteil außerbilanziell zum 31. Dezember12,43,5

Die körperschaftsteuerlichen Verlustvorträge sind um 4,1 Mio. € auf 912,8 Mio. € im Geschäftsjahr 2019 angewachsen. Die Erhöhung dieser Verlustvorträge umfasst das Geschäftsfeld Handel International mit 61,3 Mio. €, das Geschäftsfeld Touristik mit 13,6 Mio. € sowie das Geschäftsfeld Handel Deutschland mit 6,5 Mio. €. Demgegenüber unterlagen körperschaftsteuerliche Verlustvorträge im Geschäftsfeld Sonstige der Nutzung und Abgängen von insgesamt -77,3 Mio. €.

Die nicht angesetzten gewerbesteuerlichen Verlustvorträge sind gegenüber dem Vorjahr um 128,0 Mio. € auf 309,6 Mio. € durch deren Nutzung und teilweisen Untergangs gesunken.

Des Weiteren ist der tatsächliche Ertragsteueraufwand im Geschäftsjahr 2019 mittels Nutzung bisher nicht angesetzter Verlustvorträge in Höhe von 204,8 Mio. € (Vorjahr: 24,9 Mio. €) gemindert worden.

Bilanzveränderung latenter Steuerforderungen und -schulden
in Mio. €20192018
Bilanzansatz latente Steuern504,1355,4
Bilanzveränderung gegenüber dem Vorjahr148,7-26,4
Veränderung latenter Steuern auf direkt im Eigenkapital erfasste Sachverhalte (IAS 39, IAS 19, IFRS 9)40,3-17,3
Bewegung erfolgsneutraler latenter Steuern aus Akquisitionen/Desinvestitionen-97,22,1
Erfolgsneutrale latente Steuern aufgrund einer Ausweisänderung8,20,0
Bewegung erfolgsneutraler latenter Steuern aus Währungsänderungen1,01,0
Erfolgswirksame Veränderung latenter Steuern aufgrund temporärer Differenzen181,512,0
Erfolgswirksame Veränderung latenter Steuern aufgrund von Verlust- und Zinsvorträgen14,9-24,2

Die erfolgsneutrale Entwicklung der direkt im Eigenkapital erfassten latenten Steuern aus Cashflow hedges sowie anderen Finanzinstrumenten (IFRS 9) umfasst 2,8 Mio. € und aus Pensions- und pensionsähnlichen Verpflichtungen (IAS 19) 37,5 Mio. €. Diese Veränderung ist ebenso wie die der erfolgsneutralen latenten Steuern aus Akquisitionen durch die Einbringung und Erstkonsolidierung der RZAG im RZF-Konzern geprägt.

Die erfolgsneutralen latenten Steuern aufgrund einer Ausweisänderung betreffen erfolgsneutral in den Gewinnrücklagen erfasste Effekte aus der Erstanwendung des IFRS 16 aus Bewertungsanpassungen wie zum Beispiel den Grundstücksanteil aus Finanzierungsleasing-Altfällen beim Leasingnehmer sowie Wertminderungen der Leasingforderung beim Leasinggeber.

Die erfolgswirksame Veränderung latenter Steuern aufgrund von Verlust- und Zinsvorträgen basiert im Wesentlichen auf der Bildung aktiver latenter Steuern auf steuerliche Verlustvorträge aus Vorjahren infolge der BFH-Rechtsprechung (BFH-Urteil vom 25. Juli 2019 (III R 22/16)) betreffend die gewerbesteuerlichen Hinzurechnungen von Reisevorleistungen.

Überleitung von der rechnerischen Ertragsteuer zum tatsächlichen Ertragsteueraufwand
in Mio. €20192018
Ergebnis vor Ertragsteuern fortgeführter Geschäftsbereiche372,1553,2
Ergebnis vor Ertragsteuern: Gewinn (+) / Verlust (-)372,1553,2
Konzernsteuersatz30%30%
Erwarteter Steueraufwand-111,6-166,0
Auswirkungen wegen abweichender Steuersätze zum Konzernsteuersatz-16,70,7
Auswirkungen von Steuersatzänderungen7,73,2
Auswirkungen von im Geschäftsjahr erfassten Steuern aus Vorjahren152,342,2
Auswirkungen nicht anrechenbarer Ertragsteuern (Quellensteuer und ausländische Steuern)-0,8-0,5
Auswirkungen von nicht abziehbaren Betriebsausgaben-59,6-14,6
Auswirkungen steuerfreier Erträge10,54,2
Auswirkungen von gewerbesteuerlichen Hinzurechnungen/Kürzungen-9,4-37,3
Auswirkungen der permanenten Effekte150,863,2
Auswirkungen von Bemessungsgrundlagentransfers von/an nicht einbezogene Unternehmen-6,215,7
Auswirkungen von Ansatzkorrekturen und Wertberichtigungen latenter Steuerforderungen-7,5-48,9
Effekte aus der Equity-Konsolidierung25,30,4
Gesamter Steuerertrag (+)/Steueraufwand (-) gemäß Überleitungsrechnung134,8-137,7
davon aus fortgeführten Geschäftsbereichen134,8-137,7

Der Konzernsteuersatz für das Jahr 2019 beläuft sich unverändert auf 30,0 Prozent, bestehend aus der Körperschaftsteuer mit einem Steuersatz von 15,0 Prozent und dem Solidaritätszuschlag, der in Höhe von 5,5 Prozent auf die Körperschaftsteuer erhoben wird, sowie der Gewerbeertragsteuer.

Im Geschäftsjahr 2019 beträgt die effektive Steuerquote -36,2 Prozent (Vorjahr: 24,9 Prozent). Dieser Steuerertrag resultiert im Wesentlichen aus Steuerrückerstattungen von 134,2 Mio. € infolge der bereits erwähnten Rechtsprechung zur gewerbesteuerlichen Hinzurechnung von Reisevorleistungen und aus permanenten Bewertungsunterschieden. Die gewerbesteuerlichen Hinzurechnungen und Kürzungen sind im Vorjahresvergleich im Wesentlichen durch den Wegfall der Hinzurechnung von Reisevorleistungen im Geschäftsfeld Touristik und die Nutzung von gewerbesteuerlichen Verlustvorträgen bei einem Anwachsungsvorgang gesunken. Der Anstieg der Auswirkungen von nicht abziehbaren Betriebsausgaben basiert weitestgehend auf steuerlich nicht anzusetzenden Veräußerungsverlusten und Forderungsabwertungen.

Zum 31. Dezember 2019 wurden keine latenten Steuerschulden auf nicht ausgeschüttete Gewinne von Tochterunternehmen, Gemeinschaftsunternehmen oder assoziierten Unternehmen erfasst, weil eine Ausschüttung dieser Gewinne auch in absehbarer Zukunft nicht beabsichtigt oder erkennbar ist. Stattdessen werden diese Gewinne laufend reinvestiert.

Die temporären Differenzen im Zusammenhang mit Anteilen an Tochterunternehmen, Gemeinschaftsunternehmen und assoziierten Unternehmen, für die keine latenten Steuerschulden bilanziert wurden, belaufen sich zum Bilanzstichtag auf 792,9 Mio. € (Vorjahr: 702,3 Mio. €).