REWE Group
Geschäftsbericht 2019

Allgemeine Grundlagen und Methoden des Zusammengefassten Abschlusses

2. Anwendung und Auswirkungen neuer bzw. überarbeiteter Rechnungslegungsvorschriften

Im Geschäftsjahr 2019 wurden folgende Rechnungslegungsvorschriften erstmalig angewandt:

Name des Standards, der Standardänderung oder der Interpretation
IFRS 91Änderungen: Vorzeitige Rückzahlungsoptionen mit negativer Vorfälligkeitsentschädigung
IFRS 16Leasingverhältnisse
IAS 281Änderung: Langfristige Anteile an assoziierten Unternehmen und Gemeinschaftsunternehmen
IFRIC 231Unsicherheit bezüglich der ertragsteuerlichen Behandlung
IAS 191Änderungen: Plananpassungen, -kürzungen oder -abgeltungen
Diverse1Änderungen: Jährliche Verbesserungen an den IFRS: Zyklus 2015–2017
  • 1 Aus dem Standard, der Standardänderung oder der Interpretation resultieren keine bzw. nur unwesentliche Auswirkungen.

    IFRS 16: Leasingverhältnisse

    Der neue Standard IFRS 16 ersetzt den Standard IAS 17 sowie IFRIC 4. In den Anwendungsbereich des IFRS 16 fallen grundsätzlich alle Miet- und Leasingverhältnisse, Untermietverhältnisse sowie Sale-and-Leaseback-Transaktionen.

    Der Ermittlung des Anpassungseffekts zum Zeitpunkt der erstmaligen Anwendung liegt der modifizierte retrospektive Ansatz zugrunde (Wahlrecht). Eine rückwirkende Anpassung von Vergleichsbeträgen für das Jahr vor der erstmaligen Anwendung erfolgt somit nicht, der kumulierte Effekt wird in den Gewinnrücklagen ausgewiesen.

    Leasingnehmer

    Ziel des neuen Standards ist, grundsätzlich alle finanziellen Verpflichtungen aus Miet- und Leasingverhältnissen bilanziell abzubilden. Die wesentliche Neuerung des IFRS 16 im Vergleich zu IAS 17 betrifft die Bilanzierung beim Leasingnehmer. So entfällt bei diesem künftig die Klassifizierung in Operating- und Finanzierungs-Leasingverhältnisse. Vielmehr muss der Leasingnehmer zu dem Zeitpunkt, zu dem ihm der Leasinggeber den Vermögenswert zur Nutzung überlässt, eine Verbindlichkeit und korrespondierend ein Nutzungsrecht erfassen. Bei kurzfristigen und geringwertigen Leasingverhältnissen verzichtet der Konzern auf deren Bilanzierung als Nutzungsrecht und Leasingverbindlichkeit (Wahlrecht).

    Die Leasingverbindlichkeit wurde mit dem Barwert der zum Erstanwendungszeitpunkt noch ausstehenden Leasingzahlungen unter Verwendung des Grenzfremdkapitalzinssatzes zum Zeitpunkt der erstmaligen Anwendung bewertet. Das Nutzungsrecht wird zunächst ausgehend von der bilanzierten Leasingverbindlichkeit bewertet. Soweit in der Vergangenheit bereits eine Bilanzierung als günstiger oder ungünstiger Vertrag erfolgte, wurde dessen Restbuchwert zum Erstanwendungszeitpunkt mit dem Nutzungsrecht verrechnet; Gleiches gilt für Rückstellungen, wenn es sich bei dem Leasingvertrag um einen belastenden Vertrag gemäß IAS 37 handelt (Wahlrecht). Zudem werden bereits geleistete Vorauszahlungen berücksichtigt. Anfängliche direkte Kosten wurden nicht berücksichtigt.

    Im Konzern wurden die wesentlichen Leasingvereinbarungen (Immobilien und Fuhrpark) im Hinblick auf die neuen Rechnungslegungsvorschriften für Leasingverhältnisse gemäß IFRS 16 überprüft. Grundlegende Auswirkungen ergeben sich für die Bilanzierung der Operating-Leasingverhältnisse.

    Zum 31. Dezember 2018 betrugen die Verpflichtungen aus unkündbaren Operating-Leasingverhältnissen 12,8 Mrd. €. Zum 1. Januar 2019 betragen die Nutzungsrechte (vor Verrechnung mit ungünstigen und günstigen Verträgen sowie OC-Rückstellungen) 9,3 Mrd. € und die Leasingverbindlichkeiten ebenfalls 9,3 Mrd. €. Die Differenz zwischen den beiden Verpflichtungen resultiert maßgeblich aus der Abzinsung der künftigen Leasingzahlungen. Zudem führen der Ansatz der zum 31. Dezember 2018 bilanzierten Schulden aus Finanzierungsleasing, Anpassungen aufgrund unterschiedlicher Einschätzung von Verlängerungs- und Kündigungsoptionen und Leasingverhältnisse über Vermögenswerte mit geringem Wert sowie kurzfristige Leasingverhältnisse, die linear als Aufwand erfasst werden, zu Unterschieden zwischen den beiden Beträgen. Bei bisher als Finanzierungsleasingverhältnis klassifizierten Verträgen entspricht zum 1. Januar 2019 der Buchwert des Nutzungsrechts und der Leasingverbindlichkeit nach IFRS 16 grundsätzlich den zum 31. Dezember 2018 nach IAS 17 bilanzierten Werten (IFRS 16.C11). Der in den Gewinnrücklagen erfasste Effekt aus der Erstanwendung des IFRS 16 beträgt 11,0 Mio. € und betrifft erfolgsneutrale Bewertungsanpassungen wie zum Beispiel den Grundstücksanteil aus Finanzierungsleasing-Altfällen beim Leasingnehmer sowie die Wertminderung der Leasingforderung beim Leasinggeber. Der Durchschnittszinssatz für Immobilien betrug 5,95 Prozent, für Mobilien 2,46 Prozent. Details zu den Anpassungseffekten siehe Punkt 4 „Wesentliche Geschäftsvorfälle“.

    Leasinggeber

    Beim Leasinggeber unterscheiden sich die Regelungen des neuen Standards lediglich in Bezug auf die Klassifizierung von Untermietverhältnissen von den Regelungen des IAS 17. Die Einstufung von Leasingverhältnissen, die die Vermietung eigener Vermögenswerte betreffen, wird übernommen.

    Aus Leasinggebersicht sind daher insbesondere Untermietverhältnisse einer Analyse zu unterziehen. Es ergaben sich nur unwesentliche Auswirkungen auf die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung, da eine wesentliche Anzahl der Untervermietungen weiterhin im Rahmen von Operating-Leasingverhältnissen erfolgt. Zum 1. Januar 2019 wurden Leasingforderungen aus Finanzierungsleasingverhältnissen in Höhe von 47,9 Mio. € ermittelt, auf die eine Wertminderung nach IFRS 9 in Höhe von 0,5 Mio. € vorgenommen wurde. Die Wertminderung beim Erstansatz wurde erfolgsneutral im Eigenkapital ausgewiesen.

    IAS 19: Pensionen und pensionsähnliche Verpflichtungen

    Mit Wirkung zum 1. Januar 2019 erfolgte eine Änderung des Bilanzierungsstandards hinsichtlich Planänderungen, -kürzungen und -abgeltungen, die innerhalb der Berichtsperiode vorgenommen werden.

    Im Falle der Änderung, Kürzung oder Abgeltung eines leistungsorientierten Versorgungsplans werden der laufende Dienstzeitaufwand und die Nettozinsen für das restliche Geschäftsjahr unter Verwendung der aktuellen versicherungsmathematischen Annahmen (Parameter), die zur erforderlichen Neubewertung der Nettoschuld (Vermögenswert) verwendet wurden, für den gesamten Plan neu ermittelt.

    Es könnten sich im Rahmen von Umstrukturierungsmaßnahmen Planabgeltungen ergeben, die im Zusammenspiel mit Änderungen der Bewertungsparameter zu wesentlichen Auswirkungen auf den Personalaufwand und den Zinsaufwand führen.

    Weitere Änderungen des IAS 19 beziehen sich auf die zusätzliche Klarstellung, wie sich eine Planänderung, -kürzung oder -abgeltung auf die Anforderungen an die Vermögenswertobergrenze (asset ceiling) bei leistungsorientierten Pensionsplänen auswirkt. Hieraus ergeben sich derzeit keine Auswirkungen.

    Veröffentlichte, aber im Geschäftsjahr 2019 noch nicht angewandte neue bzw. überarbeitete Rechnungslegungsvorschriften

    Die nachfolgend aufgeführten neuen Standards und Interpretationen sowie Änderungen an bestehenden Standards wurden vom IASB herausgegeben, waren jedoch im Geschäftsjahr 2019, sofern bereits in europäisches Recht übernommen, noch nicht verpflichtend anzuwenden. Ein eventuelles Wahlrecht mit der Option der freiwilligen vorzeitigen Anwendung wurde für diese Rechnungslegungsvorschriften nicht in Anspruch genommen.

    Veröffentlichte, im Geschäftsjahr 2019 aber noch nicht angewandte neue bzw. überarbeitete Rechnungslegungsvorschriften
    Anwendung verpflichtend/ voraussichtlich im GeschäftsjahrName des Standards, der Standardänderung oder der InterpretationÜbernahme in europäisches Recht bereits erfolgt
    2020IAS 1/IAS 81Änderungen: Definition von WesentlichkeitJa
    Diverse1Änderungen: Überarbeitete Fassung des RahmenkonzeptsJa
    IFRS 9/IAS 39/IFRS 71Interest Rate Benchmark ReformJa
    IFRS 31Änderungen: Definition eines GeschäftsbetriebsNein2
    2023IFRS 171VersicherungsverträgeNein2
    • 1 Aus dem Standard, der Standardänderung oder der Interpretation werden keine bzw. nur unwesentliche Auswirkungen erwartet.
    • 2Da der Standard, die Änderung oder die Interpretation noch nicht in europäisches Recht übernommen sind, besteht kein verbindlicher Anwendungstermin innerhalb der Europäischen Union. Gegenüber dem für die Zuordnung zu Geschäftsjahren zugrunde gelegten Erstanwendungstermin, wie er vom IASB vorgesehen ist, können sich daher noch Änderungen ergeben.