REWE Group
Geschäftsbericht 2019

Allgemeine Grundlagen und Methoden des Zusammengefassten Abschlusses

7. Bedeutende bilanzielle Ermessensspielräume sowie Schätzungen und Beurteilungen

Die Erstellung des Konzernabschlusses erfordert, dass Ermessensentscheidungen getroffen und Schätzungen und Beurteilungen verwendet werden, die sich auf Höhe und Ausweis der bilanzierten Vermögenswerte und Schulden, der Erträge und Aufwendungen sowie der Eventualschulden auswirken. Tatsächliche Ergebnisse können von diesen Schätzungen abweichen.

Ermessensentscheidungen bei der Anwendung der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden

Die Aufstellung von in Einklang mit den IFRS stehenden Abschlüssen erfordert Ermessensentscheidungen. Sämtliche Ermessensentscheidungen werden fortlaufend neu bewertet und basieren auf historischen Erfahrungen und Erwartungen hinsichtlich zukünftiger Ereignisse, die unter den gegebenen Umständen vernünftig erscheinen.

Dies gilt insbesondere für folgende Sachverhalte:

  • Im Rahmen der Festlegung des Konsolidierungskreises wurde aufgrund fehlender Beherrschung entschieden, 1.266 (Vorjahr: 1.214) REWE-Partnergesellschaften als assoziierte Unternehmen at equity einzubeziehen. Die Beherrschung wurde verneint, da die RZF direkt oder indirekt trotz bestimmter Möglichkeiten der Einflussnahme nicht die relevanten Aktivitäten dieser Gesellschaften bestimmen kann.
  • Im Rahmen der Festlegung des Konsolidierungskreises wurde entschieden, bestimmte Gesellschaften auch ohne Vorliegen einer Mehrheitsbeteiligung als Tochterunternehmen in den Konzernabschluss einzubeziehen, da der Konzern diese aufgrund besonderer vertraglicher Beziehungen beherrscht.
  • Der Konzern ist an verschiedenen Immobilienfonds in der Rechtsform von Kommanditgesellschaften als Kommanditist beteiligt. Aufgrund fehlender Beherrschung wurde entschieden, die Anteile an diesen Fonds je nach Möglichkeit der Einflussnahme als Anteile an assoziierten Unternehmen oder als Beteiligungen auszuweisen.
  • Im Rahmen der Neuregelung für die Erfassung von Leasingverhältnissen wurden Ermessensentscheidungen im Rahmen des IFRS 16 getroffen. Diese werden weiter unten näher erläutert.

Schätzungen und Beurteilungen

Die Aufstellung von in Einklang mit den IFRS stehenden Abschlüssen erfordert Schätzungen. Sämtliche Schätzungen und Beurteilungen werden fortlaufend aktualisiert und basieren auf historischen Erfahrungen und weiteren Faktoren, einschließlich Erwartungen hinsichtlich zukünftiger Ereignisse, die unter den gegebenen Umständen vernünftig erscheinen. Die hieraus abgeleiteten Schätzungen werden naturgemäß in den seltensten Fällen den späteren tatsächlichen Gegebenheiten entsprechen. Änderungen werden zum Zeitpunkt einer besseren Kenntnis in der Regel ergebniswirksam berücksichtigt.

Bereiche, bei denen Annahmen und Schätzungen von entscheidender Bedeutung für den Konzernabschluss sind, werden im Folgenden aufgeführt:

  • Zur Ermittlung planmäßiger Abschreibungen sind Schätzungen der wirtschaftlichen Nutzungsdauer von Vermögenswerten zu treffen.
  • Im Rahmen von Kaufpreisallokationen bei Unternehmenszusammenschlüssen sind Vermögenswerte und Schulden zu identifizieren und zum beizulegenden Zeitwert zu bewerten, wozu Annahmen erforderlich sind.
  • Im Rahmen von Unternehmenszusammenschlüssen erworbene Geschäfts- oder Firmenwerte werden auf zahlungsmittelgenerierende Einheiten allokiert. Mindestens jährlich muss eine Einschätzung darüber erfolgen, ob der Geschäfts- oder Firmenwert werthaltig ist. Dazu wird der erzielbare Betrag ermittelt, zu dessen Bestimmung Annahmen erforderlich sind.
  • Zu jedem Bilanzstichtag wird geprüft, ob der Buchwert eines latenten Steueranspruchs weiterhin werthaltig ist, d. h., ob zukünftige Steuerentlastungen realisiert werden können. Hierzu müssen Annahmen getroffen werden. Ebenfalls auf Einschätzungen des Managements basiert die Höhe der Verpflichtungen für Risiken aus erwarteten Steuerprüfungen und für Prozessrisiken.
  • Die Jahresabschlüsse der assoziierten REWE-Partnergesellschaften liegen zum Zeitpunkt der Erstellung des Konzernabschlusses noch nicht endgültig vor. Zum Zweck der Equity-Bilanzierung erfolgt eine Schätzung der Jahresergebnisse der REWE-Partnergesellschaften auf Basis der vorläufigen Jahresabschlüsse, wobei gegebenenfalls zusätzliche Anpassungen nach den Regeln der IFRS erfolgen.
  • Die Ermittlung der beizulegenden Zeitwerte der als Finanzinvestition gehaltenen Immobilien erfordert Schätzungen hinsichtlich der Aufteilung zwischen Gebäude- sowie Grund- und Bodenanteil. Der Grund- und Bodenanteil wird bei der Bilanzierung vom Gebäudeanteil separiert. Das Aufteilungsverhältnis zwischen Grund- und Bodenanteil und dem Gebäudeanteil beeinflusst somit den Gebäudeertragswert.
  • Bei Prämienansprüchen im Rahmen von Kundenbindungsprogrammen wird die Einlösewahrscheinlichkeit auf Basis historischer Erfahrungswerte geschätzt.
  • Der Ausweis der Umsatzerlöse erfolgt nach dem betrieblichen Zweck. Bei der Schätzung von variablen Gegenleistungen werden die Einflussfaktoren möglichst so genau vorgenommen, dass eine künftige Korrektur erfasster Umsatzerlöse weitestgehend ausgeschlossen ist. Nicht monetäre Gegenleistungen werden zum beizulegenden Zeitwert bewertet, wenn dieser angemessen geschätzt werden kann. Ist dies nicht der Fall, wird der Einzelveräußerungspreis des Gutes oder der Dienstleistung verwendet, der im Tausch für die unbare Gegenleistung zugesagt wurde. Werden in Abhängigkeit von der Höhe der im Jahr abgenommenen Volumina prozentuale Rabatte gewährt, werden diese bereits bei der unterjährigen Erlöserfassung berücksichtigt, sofern sie verlässlich bestimmt werden können.
  • Bei der Ermittlung der erwarteten Kreditverluste bei Finanzinstrumenten werden Schätzwerte und externe Ratings herangezogen.
  • Auf immaterielle Vermögenswerte werden die Regelungen zur Leasingbilanzierung nicht angewendet. Im Rahmen der Bilanzierung von Leasingverhältnissen wird ein wesentlicher Kapazitätsanteil als identifizierter Vermögenswert bilanziert, wenn mit ihm mindestens 90,0 Prozent der Gesamtkapazität der Nutzung erzielt wird. Verlängerungsoptionen werden grundsätzlich nur berücksichtigt, sofern auf Basis der vom Management genehmigten Planungen oder aufgrund getätigter Mietereinbauten hinreichend sicher ist, dass das entsprechende Leasingobjekt über diesen Zeitraum weiterbetrieben wird, andernfalls wird die kürzestmögliche Vertragslaufzeit unterstellt. Die zum 1. Januar 2019 erfassten Nutzungsrechte wurden zunächst in voller Höhe bilanziert und anschließend um den Betrag bestehender Rückstellungen für belastende Verträge reduziert.