REWE Group
Geschäftsbericht 2019

Prognosebericht

2. Erwartete Umsatz- und EBITA-Entwicklung

Die aktuelle wirtschaftliche Unsicherheit durch die Coronakrise wird einen wesentlichen Einfluss auf die Umsatz- und EBITA-Entwicklung der REWE Group haben. Es ist heute schwierig aufzuzeigen, wie die Gesamtentwicklung für die Gruppe aussehen wird. Im Wesentlichen hängt dies vom Ausmaß und dem zeitlichen Verlauf der Pandemie ab. So werden gesetzliche und einschränkende Maßnahmen wesentlich das Bild des Alltags der Menschen prägen und Einfluss auf alle Bereiche des öffentlichen Lebens haben. Die Intensität und Unterschiedlichkeit der Maßnahmen in den einzelnen Ländern sorgen für zusätzliche weitere Unsicherheit und lassen den Verlauf der Krise nur erahnen. Daher werden die bisher erwarteten Umsatz- und EBITA-Entwicklungen in dieser Situation sicherlich nicht eintreffen. So zeigen sich bisher aufgrund der Bevorratung seitens der Bevölkerung und der Reduzierung des „Außer-Haus-Verkaufs“ zunächst starke Umsatzzuwächse im Lebensmittelhandel. Hingegen sind im Reisebereich die Reisebuchungen fast vollständig zum Erliegen gekommen.

Aufgrund der aktuellen Situation gehen wir für 2020 im Lebensmittelhandel von leicht höheren Umsätzen aus. Da es sich zum großen Teil um Umsatz aus Bevorratung handelt, werden sich die positiven Umsätze aus den ersten Monaten nicht vollumfänglich auf den Jahresumsatz auswirken.

Die Einschätzung der zu erwartenden internen EBITA-Entwicklung unterliegt einer großen Unsicherheit. Im Lebensmittelhandel erwarten wir eine moderate Steigerung der Ergebnisse gegenüber dem Vorjahr. Diese Einschätzung setzt aber voraus, dass die Lieferkette weiterhin aufrechterhalten werden kann. Sollte dies nicht gegeben sein, wird die Entwicklung nicht den angenommenen Verlauf nehmen.

Im Touristikbereich erwarten wir ein negatives internes EBITA. Da zurzeit die Reisebranche zum Erliegen gekommen ist und es nicht abzusehen ist, wie lange diese Situation anhält, ist eine genauere Aussage auch hier nicht möglich.

Das Geschäftsfeld Baumarkt ist durch vorübergehende Marktschließungen von der Coronakrise betroffen. Eine zeitliche Ausweitung notwendiger Maßnahmen wie Marktschließungen oder Kundeneingrenzungen wird zu Umsatz - und Ergebniseinbußen führen.

Handel Deutschland

Grundsätzlich stehen in der Sparte REWE 2020 weiterhin die Stärkung der Preis- und Leistungswahrnehmung im stationären Geschäft sowie die Weiterentwicklung des Online-Geschäfts im Vordergrund. Investitionen in das bestehende Ladennetz und in die Logistik sichern langfristig die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.

Aufgrund der aktuellen Situation liegt der Fokus aber auf der Aufrechterhaltung der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln. Hierbei müssen zum einen die Lieferkette sichergestellt und zum anderen die Abläufe im Markt gewährleistet sein.

Die positive Umsatzentwicklung der ersten Monate im Jahr 2020 hat einen positiven Einfluss auf die Ergebnisentwicklung. Zurzeit ist aber nicht abzusehen, welche Umsätze und Roherträge nachhaltig auf das Jahr wirken und ob die Kostenentwicklung weiterhin in der bisherigen Struktur aufrechterhalten werden kann.

Für die Sparte PENNY hatten wir für 2020 eine leicht negative Entwicklung des internen EBITAs geplant. Maßgeblich hierfür ist die verstärkte Wettbewerbsentwicklung im Discountbereich.

Zusätzliche Investitionen in das bestehende Ladennetz belasten weiterhin das Ergebnis.

Positiv auf die Ergebnisentwicklung wirken sich die Optimierung der Sortimente, effiziente Prozess- und Kostenstrukturen sowie eine steigende Filialanzahl aus.

Auch für PENNY ist die Aufrechterhaltung der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln in der aktuellen Situation eine große Herausforderung. Die positive Entwicklung der Umsätze im ersten Quartal 2020 führt zu einer positiven Ergebnisentwicklung. Da ein großer Teil hiervon in der Bevorratung begründet ist, ist fraglich, ob sich diese Entwicklung auf die Gesamtjahresentwicklung auswirken wird.

Handel International

Im Vollsortiment Österreich und CEE sind wir für 2020 von leicht steigenden Umsätzen gegenüber 2019 ausgegangen. Die positive Entwicklung auf bestehender Fläche und die durchgeführten und noch geplanten Modernisierungen hätten weiterhin zu einem Umsatz- und Ergebniswachstum geführt. Die Entwicklung von BIPA Österreich läuft plankonform, belastet jedoch auch 2020 weiterhin das Ergebnis. Die geplanten Aktivitäten sind aber die Grundlage für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit in einem starken Umfeld.

Die Entwicklungen in Österreich werden, wie in Deutschland, wesentlich von der Coronakrise beeinflusst. Die Einflüsse auf Umsatz und Ergebnis sind in ähnlicher Ausprägung wie in Deutschland zu erwarten.

Auch in Osteuropa erwarteten wir eine positive Entwicklung der Umsätze durch das bestehende Ladennetz sowie durch die Expansionsaktivitäten. Die Situationen in Russland und der Ukraine bleiben auch weiterhin herausfordernd. Die Integration der UAB Palink, Vilnius (Litauen), trägt auch 2020 weiterhin zur positiven Entwicklung bei.

Bei Penny International wird ein steigender Umsatz gegenüber 2019 erwartet. Dies ist vor allem auf die positive Entwicklung bestehender Märkte sowie auf die weitere Expansion zurückzuführen. Die positive Umsatzentwicklung wirkt sich positiv auf die Ertragslage aus, wird aber durch Kostensteigerungen zum Teil wieder kompensiert. Trotz verschiedener Projektaktivitäten, der Expansionsinvestitionen in die Infrastruktur sowie der geplanten Kostensteigerung wird das geplante Ergebnis über dem des Jahres 2019 liegen.

Italien ist aktuell von der Coronakrise am stärksten betroffen. Eine hohe Anzahl von Infizierten und Verstorbenen sowie ein vollkommen überlastetes Gesundheitssystem führen zu einer extremen Belastung der Bevölkerung. Starke staatliche Einschränkungen des öffentlichen Lebens sowie die Schließung von nicht lebensnotwendigen Produktionsstätten belasten die Wirtschaft besonders stark. Für unsere Märkte steht, wie in allen anderen Ländern, vor allem die Versorgung der Bevölkerung im Vordergrund, was aber aufgrund der Rahmenbedingungen in Italien besonders schwierig ist. Trotz derzeitiger Umsatzzuwächse ist die Auswirkung der Krise auf unsere Umsatz- und Ertragslage heute nicht prognostizierbar.

Touristik

Alle Prognosen, die die für das Geschäftsfeld Touristik relevanten Entwicklungen betreffen, sind aufgrund der Coronakrise nicht mehr haltbar. Da der Tourismus vollständig zum Erliegen gekommen ist, wird der Umsatz weit hinter den Erwartungen zurückbleiben. Hierbei spielt vor allem die Dauer der Krise eine wichtige Rolle. Je länger die Krise andauert, desto stärker werden die negativen Auswirkungen auf die Umsatz- und Ergebnisentwicklung sein.

Der Liquiditätsbeitrag des Geschäftsfelds Touristik zur Liquidität der REWE Group im Geschäftsjahr 2020 wird sich aufgrund ausbleibender Reisebuchungen sowie Stornierungen bedingt durch die Coronakrise signifikant reduzieren. Im operativen Geschäft werden entsprechende Gegenmaßnahmen ergriffen, um auf die geänderte Nachfragesituation zu reagieren und voraussichtliche Effekte auf die Umsatz- und Ergebnisentwicklung zu reduzieren. Auch bei einer länger andauernden Schließung wesentlicher Zielgebiete sind die Liquiditätsreserven der REWE Group auch ohne die Inanspruchnahme staatlicher Kreditprogramme ausreichend, um allen Verpflichtungen fristgerecht nachzukommen.

Baumarkt

Das Geschäftsfeld Baumarkt ging von einer leichten Verbesserung der Umsatzsituation aus und plante bei steigenden Umsätzen auch ein leicht steigendes Ergebnis. Die Weiterentwicklung der Online-Aktivitäten in Verbindung mit dem stationären Geschäft sowie die positive Entwicklung auf der bestehenden Fläche stehen auch 2020 im Fokus des Handelns.

Der Baumarktbereich ist durch vorübergehende Marktschließungen von der Coronakrise betroffen. Eine zeitliche Ausweitung notwendiger Maßnahmen wie Marktschließungen oder Kundeneingrenzungen wird zu Umsatz - und Ergebniseinbußen führen.

Gesamtaussage der Unternehmensleitung zur Umsatz-, EBITA- und Verschuldungsentwicklung

Für das Geschäftsjahr 2020 waren für die Geschäftseinheiten stark steigende Umsätze zu erwarten. Weitere Expansionen und Umbauaktivitäten sollten langfristig die Umsatzentwicklung stützen.

Durch eine positive Umsatzentwicklung, effiziente Kostenstrukturen und den Ausbau der Geschäftsmodelle hatten wir für 2020 – ohne Sondereffekte aus Unternehmensverkäufen und Konzernumstrukturierungen im Jahr 2019 − ein deutlich über dem Vorjahr liegendes internes EBITA geplant.

Durch die Coronakrise und die damit verbundene Unsicherheit bei der Beurteilung der aktuellen Umsatz- und Ertragsentwicklung in den einzelnen Geschäftsfeldern ist eine Gesamtaussage für die Gruppe nicht möglich. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen erwarten wir vor allem in den Geschäftsfeldern Baumarkt und Touristik ein internes EBITA, das deutlich unter dem des Vorjahres liegt und durch eine etwaige positive Entwicklung im Lebensmittelhandel nicht aufgefangen werden kann. Die Auswirkungen sind vor allem abhängig von der Dauer der Krise und den damit verbundenen Einschränkungen. Wir erwarten für das Jahr 2020 ein leicht über dem Vorjahr liegendes internes EBITA.

Die Netto-Verschuldung wird 2020 stärker steigen als ursprünglich geplant. Dies ist hauptsächlich bedingt durch die Auswirkungen der Coronakrise, die noch nicht gänzlich absehbar sind. Die Rückzahlung von Kundenanzahlungen infolge der Stornierung von Reisen ist gesichert. Die REWE Group verfügt über ausreichende Kreditlinien, um jederzeitige Zahlungssicherheit zu gewährleisten.

Köln, den 8. April 2020