REWE Group
Geschäftsbericht 2019

Prognosebericht

1. Künftige gesamtwirtschaftliche Entwicklung

Der Prognosebericht berücksichtigt die zum Zeitpunkt der Berichterstellung bekannten relevanten Fakten und Ereignisse, die die zukünftige Geschäftsentwicklung beeinflussen können. Die Ausbreitung des Coronavirus und die Effekte auf die Weltwirtschaft sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehbar. Prognosen der führenden Wirtschaftsinstitute, die die künftige gesamtwirtschaftliche Entwicklung auf Landesebene darstellen, liegen derzeit noch nicht vor. Aus diesem Grund werden die Daten des International Monetary Fund (IMF) und der Gemeinschaftsdiagnose in der unten stehenden Tabelle dargestellt; es wird aber ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Prognosen die Auswirkungen der Coronapandemie nicht beinhalten. Um den Einfluss des Coronavirus dennoch im Prognosebericht zu benennen, wird auf landesspezifische andere Quellen zurückgegriffen, die eine andere Datenbasis aufweisen als die Gemeinschaftsdiagnose oder die des IMF.

Die konjunkturelle Unsicherheit wird 2020 sehr hoch sein: Die Weltwirtschaft, die bereits durch internationale Handelskonflikte und politische Spannungen geschwächt ist, wird durch den Ausbruch des Coronavirus erheblich beeinflusst werden. Selbst im günstigsten Fall einer nur schwachen Virusverbreitung über China hinaus, was nicht dem tatsächlichen Verlauf entspricht, ging die OECD von einer voraussichtlich starken Verringerung des weltweiten Wirtschaftswachstums in der ersten Jahreshälfte aus: als Folge von unterbrochenen Lieferketten, einem Rückgang des Tourismus und einer Verschlechterung des Geschäftsklimas. Entsprechend wäre in diesem Fall die Erwartung gewesen, dass sich das Wachstum der Weltwirtschaft von bereits schwachen 2,9 Prozent 2019 auf 2,4 Prozent im Jahr 2020 abschwächen wird. Bei einer stärkeren Ansteckungswelle im Asien-Pazifik-Raum und in den Industrieländern – wie es nun auch der Realität entspricht – geht die OECD davon aus, dass sich das globale Wachstum auf 1,5 Prozent reduzieren könnte. Die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus und der Vertrauensverlust würden sich auf Produktion und Konsum derart auswirken, dass einige Länder in eine Rezession abrutschen könnten, darunter Japan und die Eurozone. Die Entwicklung zeigt sich sehr dynamisch und führt regelmäßig zu Änderungen in den Prognosen. Bereits zum jetzigen Zeitpunkt ergeben sich erhebliche Auswirkungen, wie die Einstellung der Produktion unter anderem in der Automobilindustrie, Grenzschließungen, weltweite Reisewarnungen und Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Europa ist mittlerweile ein weiteres Zentrum der Coronakrise. Dazu kommt die globale Verbreitung mit weiteren Zentren in den USA sowie Südamerika.

Prognose der Wirtschaftsdaten der REWE Group-Länder auf Datenbasis der Zeit vor der Coronakrise
In Prozent1BIPInflationArbeitslosigkeit
2019e2020e2019e2020e2019e2020e
Deutschland0,51,11,41,43,13,1
Österreich1,61,71,61,64,64,6
Tschechien2,52,62,42,22,12,0
Italien0,20,50,81,010,09,8
Ungarn4,63,33,43,43,43,4
Rumänien4,03,54,03,53,94,0
Slowakei2,62,72,52,45,34,9
Russland1,11,94,73,54,64,8
Litauen3,42,72,42,46,16,1
Bulgarien3,73,22,72,74,64,4
Schweiz0,81,30,60,62,82,8
Großbritannien1,31,42,01,93,93,8
Schweden0,91,51,81,76,76,9
Norwegen1,92,42,31,93,63,5
Frankreich1,31,31,31,28,58,3
Dänemark1,71,90,71,04,94,8
Ukraine3,03,08,75,98,78,2
Kroatien3,02,71,01,27,06,9
  • Quellen: International Monetary Fund, World Economic Outlook Database Oktober 2019, Update Januar 2020; Gemeinschaftsdiagnose (Herbst 2019)
  • E = erwartet; ¹ BIP-Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent

Während für Deutschland noch im Januar 2020 gemäß International Monetary Fund (IMF) im World Economic Outlook (WEO) ein robustes Wirtschaftswachstum auf verhaltenem Niveau (1,1 Prozent) zu erwarten war, sieht das Institut für Weltwirtschaft (IfW) im Zuge der weiter fortschreitenden Coronapandemie zwei Szenarien für die exportstarke deutsche Wirtschaft: im ersten Szenario wird ein Lockdown bis Ende April angenommen, dessen dämpfende Auswirkung ab Ende Mai allmählich nachlassen wird. Das IfW rechnet in diesem Szenario mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 4,5 Prozent. Das zweite Szenario wurde unter Zugrundelegung eines Lockdowns bis Ende Juli und einer allmählichen Erholung ab Ende August ermittelt: Hier erwartet das IfW einen Rückgang des BIP um 8,7 Prozent. Eingeleitete Corona-Schutzmaßnahmen wie z. B. Schließungen im Einzelhandel, die Einstellung der Produktion in der Automobilindustrie als Schlüsselindustrie in Deutschland und eine wegbrechende Auftragslage bei kleinen Unternehmen und Solo-Selbstständigen, wo als Folge mit einer hohen Insolvenzquote gerechnet wird, werden einen massiven Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung haben. Um die Folgen dieser Krise einzudämmen, werden diverse Maßnahmen durch die Bundesregierung eingeleitet (Härtefallfonds, vereinfachte Kreditbeschaffung für Unternehmen, Kurzarbeitergeld).

Für Österreich wurde vor der Ausbreitung des Coronavirus für 2020 vom IMF ein Wirtschaftswachstum leicht über dem Vorjahresniveau erwartet. Im UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator wurde die Wachstumsprognose unter Berücksichtigung der Auswirkungen von Corona für Österreich von 1,0 Prozent auf -0,6 Prozent gesenkt. Es wird eine technische Rezession für das erste Halbjahr erwartet. Inwiefern sich die Wirtschaft im zweiten Halbjahr wieder erholen wird, wird von der Dauer der Krise und den ergriffenen Maßnahmen abhängig sein. Es wird erwartet, dass die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt sich aufgrund von Kurzarbeit und Liquiditätsmaßnahmen im Rahmen halten werden: eine Arbeitslosenquote von 7,3 Prozent wird erwartet. Für 2020 wird eine rückläufige Inflationsrate erwartet, was zum einen durch eine infolge der Einschränkungen im öffentlichen Leben ausgelöste Konsumzurückhaltung und zum anderen durch gesunkene Ölpreise bedingt ist.

Die Prognose der konjunkturellen Entwicklung in Italien für 2020 vom IMF fiel schon vor Beginn der Coronakrise mit 0,5 Prozent sehr schwach aus. Italien ist in Europa derzeit von der Coronakrise am stärksten betroffen: Eine hohe Anzahl Infizierter und Verstorbener und ein überlastetes Gesundheitssystem haben massive Einschränkungen zur Folge (z. B. Ausgangssperre). Eine Einschätzung der wirtschaftlichen Folgen kann derzeit nicht getroffen werden, es wird aber erwartet, dass diese in Italien deutlich stärker als in den anderen Ländern ausfallen werden. Besonders stark betroffen sind unter anderem der Tourismus, die Gastronomie und Reiseveranstalter. Die italienische Regierung hat verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Auswirkungen auf die Wirtschaft zu verringern.

Das Coronavirus wird dem Wirtschaftsboom in den osteuropäischen Ländern, in denen die REWE Group vertreten ist, 2020 ein Ende setzen. Das Coronavirus trifft die Länder unterschiedlich schwer. Die Länder, die aktuell nicht so stark vom Ausbruch der Krankheit betroffen sind, werden die Auswirkungen über die Lieferketten verspüren, da es in Osteuropa eine starke Verflechtung nach China oder Italien gibt. Die Länder, die wesentlich von der Automobilindustrie abhängig sind, verspüren bereits jetzt massive Auswirkungen, die Produktion wurde komplett eingestellt. So wurden beispielsweise in Tschechien die Fabriken von Skoda, TPCA und Hyundai geschlossen, die Zulieferer folgten. Auch der Tourismus ist zum Erliegen gekommen. Um die Auswirkungen für die Wirtschaft abzufedern, wurde der Leitzins abgesenkt; die tschechische Regierung stellt für kleine und mittlere Unternehmen Kredite und Bürgschaften bereit.

Für das Wirtschaftswachstum der Schweiz wurde 2020 gegenüber 2019 vor Ausbruch der Coronakrise eine positive Entwicklung erwartet. Der Ausbruch und die Bekämpfung der Coronapandemie stellen die Wirtschaft vor große Herausforderungen. In der KOF Konjunkturprognose der Konjunkturforschungsstelle werden in drei Szenarien mögliche Verläufe, die allesamt eine Rezession in der ersten Jahreshälfte erwarten, dargestellt. Abhängig von den Prämissen wird für die Schweiz im Szenario mit den geringsten Auswirkungen ein BIP von 1,2 Prozent inkl. Sportveranstaltungen (0,8 Prozent ohne Sportveranstaltungen) erwartet; dieses Szenario unterstellt unter anderem, dass im dritten Quartal ein Großteil der ausgefallenen Produktion nachgeholt werden kann, die Einflüsse auf den Arbeitsmarkt werden nur sehr gering ausfallen. Im Negativszenario wird von einem BIP von -2,3 Prozent ausgegangen: Steigende Haushaltverschuldung, anhaltende Lieferschwierigkeiten, zunehmende Liquiditätsengpässe etc. belasten die Konjunktur maßgeblich.

Vor dem Ausbruch des Coronavirus war die wirtschaftliche Entwicklung in Großbritannien vor allem durch die Unsicherheiten des Brexits geprägt; das IMF ging für 2020 von stabilen Wachstumsraten gegenüber 2019 aus. Die Coronakrise hat Großbritannien und die britische Wirtschaft zunächst verspätet erreicht, stellt das Land aber mittlerweile vor eine große Herausforderung: Die britische Regierung hat es versäumt, frühzeitig auf die Krise mit Maßnahmen zu reagieren, zudem ist das Gesundheitssystem bereits jetzt überlastet. Auch hier sind wesentliche Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung zu erwarten.

In Skandinavien fällt der Umgang mit der Coronakrise sehr unterschiedlich aus: während in Dänemark und Norwegen mit teils massiven Maßnahmen auf das Coronavirus reagiert wurde, agiert Schweden im Umgang mit dem Virus eher zurückhaltend. In Dänemark waren zu Beginn der Coronakrise im Wesentlichen Unternehmen mit direktem China-Geschäft betroffen, mittlerweile sind die am stärksten betroffenen Branchen Logistik, Tourismus und Erlebniswirtschaft. Sowohl der Industrieverband Dansk Industri als auch der Unternehmensverband Dansk Erhverv erwarten im besten Fall ein Wirtschaftswachstum von rund 1,0 Prozent. Für Schweden erwartet die Regierung im optimistischsten Szenario eine Abbremsung des BIP um 0,3 Prozentpunkte, in der pessimistischsten Variante um bis zu 0,8 Prozentpunkte.

Für Frankreich wurde vor Ausbruch der Coronakrise ein zum Vorjahr unverändertes Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent erwartet. Aber auch Frankreich wurde hart von der Coronakrise getroffen: Das Tempo, mit dem sich die Pandemie in Frankreich ausbreitet, hat sich drastisch beschleunigt, die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung werden fast täglich verschärft. Wachstumsaussichten für 2020 haben sich innerhalb kurzer Zeit eingetrübt, die französische Regierung geht derzeit von einem Rückgang von 1,0 Prozent aus. Einige Sektoren sind besonders stark von den Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit betroffen: Veranstalterbranche, Hotellerie, Reiseveranstalter, Gaststätten und Luftfahrt. Es ist zu erwarten, dass die derzeitige Unsicherheit zu einer Investitionszurückhaltung bei Unternehmen und zu einem rückläufigen Konsum der privaten Haushalte führen wird. Aber auch die Unterbrechung internationaler Lieferketten sowie der Ausfall von Mitarbeitern wird die Unternehmen treffen. Große Unternehmen wie Michelin, PSA und Renault haben Mitte März die Schließung der Produktionsstätten angeordnet. Um die Wirtschaft zu stützen, wurden von der Regierung umfangreiche Maßnahmen erlassen wie z. B. Bürgschaften für kleine und mittlere Unternehmen, Erleichterung von Kurzarbeit, Stundung von Sozialausgaben und Steuern.