REWE Group
Geschäftsbericht 2019

Risiko- und Chancenbericht

Stellenwert des Risikomanagements

Als international tätige Handels- und Touristik-Gruppe sind wir im Rahmen unserer Geschäftstätigkeiten den unterschiedlichsten Risiken mit zum Teil kurzen Reaktionszeiten ausgesetzt.

Risiken sind unsichere unternehmensexterne und -interne Einflussfaktoren, die Erfolgspotenziale (Vermögen, Erfolg und Liquidität) und/oder Unternehmensreputation beeinträchtigen und damit die Realisierung geplanter Ziele verhindern oder drohen zu verhindern bzw. die weitere Geschäftsentwicklung negativ beeinflussen können. Chancen sind dagegen unternehmensexterne und -interne Einflussfaktoren, die Erfolgspotenziale (Vermögen, Erfolg und Liquidität) schaffen und damit die geplanten Ziele bzw. die weitere Geschäftsentwicklung positiv beeinflussen.

Mit dem Einsatz eines Group-weiten und einheitlichen Risikomanagements begegnen wir diesem Gefahrenpotenzial erfolgreich und sichern nachhaltig unser Chancenpotenzial. Dabei verstehen wir Risikomanagement als einen kontinuierlichen Prozess, der als regelmäßiger Vorgang in unsere betrieblichen Abläufe fest integriert ist.

Alle Risiken unterliegen bei der REWE Group einer Steuerungspflicht und werden durch operative Maßnahmen in ihrer Auswirkung und Wahrscheinlichkeit begrenzt. Der Umfang des damit verbundenen Handlungsbedarfs und der Zeitpunkt für die Einleitung entsprechender Maßnahmen richten sich dabei nach der Dringlichkeit (mögliche Eintrittswahrscheinlichkeit) sowie dem Bedrohungspotenzial (mögliches Schadenspotenzial, ermittelt aus der monetären, reputativen und rechtlichen Auswirkung) des Risikos. Bestehende Handlungsbedarfe dokumentieren und steuern wir in unseren Risikofeldern über dokumentierte Maßnahmenpläne und -termine.

Organisation des Risikomanagements

Die Rahmenbedingungen, Richtlinien und Prozesse für ein konzerneinheitliches Risikomanagement der REWE Group werden dabei zentral durch den Bereich Konzern-Controlling in Abstimmung mit den Zentralbereichen Governance & Compliance und Betriebswirtschaft erarbeitet.

Der Aufbau und der Ablauf des operativen Risikomanagementprozesses werden im Rahmen vorgegebener Richtlinien des Konzerns über definierte Risikofelder in deren Eigenverantwortung dezentral organisiert.

Meldepflichtige Risiken werden in unseren Risikofeldern von definierten Risikoverantwortlichen über einen Bottom-up-Ansatz frühzeitig identifiziert, klassifiziert, konzerneinheitlich bewertet und eigenverantwortlich gesteuert.

Risiko-Checklisten in Form von Konzernempfehlungen werden von unseren Zentralbereichen erarbeitet und den Risikofeldern regelmäßig zur Unterstützung ihrer Risikoidentifikation und ‑analyse im Vorfeld der jährlichen Risikoinventur zur Verfügung gestellt. Dies sichert die Group-weite Berücksichtigung zentralseitig gesehener möglicher Risikoereignisse.

Die Risikoanalyse erstreckt sich auf einen Planungshorizont von drei Jahren, analog dem Zeitraum unserer Mittelfristplanung.

Risiken mit relevanter Bedeutung für den Konzern werden von ausgewählten Zentralbereichen aufgrund ihrer fachlichen Kompetenz kontrolliert und überwacht. Im Fokus stehen dabei neben operativen Geschäftsrisiken mit wesentlichem Bedrohungspotenzial auch bedeutende Risiken aus den Kategorien Finanzen, Compliance, Steuern und Finanzberichterstattung. Abweichende Risikoeinschätzungen werden von den Zentralbereichen mit den Risikofeldern nach Beendigung der Risikoinventur und vor Erstellung des Risikoberichts diskutiert und abgestimmt.

Risikomanagementsystem der REWE Group

Jährlich werden unsere Führungs- und Aufsichtsgremien über die aktuelle Risikolage des Konzerns in standardisierter Form unterrichtet. Hierzu melden die Risikoverantwortlichen über Risikoinventuren stichtagsbezogen melderelevante Einzelrisiken aus den Risikofeldern an den Konzern. Risiken mit ähnlichen Inhalten und Ursachen werden anschließend auf Ebene des Konzerns zu Risikoarten aggregiert und gemäß ihrem Bedrohungspotenzial für unsere Geschäftstätigkeit, Vermögens-, Finanz- und Ertragslage, Cashflows sowie unsere Reputation bezüglich der Konzernrelevanz als hoch, mittel oder gering klassifiziert (hoch: monetäre Auswirkung im Einzelfall > 100 Mio. € oder erhebliche Bedeutung bzgl. Geschäftstätigkeit, Vermögens-, Finanz-, Ertragslage (VFE-Lage) und Reputation; mittel und gering: allenfalls moderate Bedeutung bzgl. Geschäftstätigkeit, VFE-Lage und Reputation).

Chancen bewerten und steuern wir im Zuge unserer turnusmäßigen operativen und strategischen Planungen. Eine Saldierung von Chancen und Risiken auf Ebene des Konzerns findet nicht statt.

Darüber hinaus wurden verbindliche Regelungen getroffen, nach denen eine direkte Berichterstattung für neu identifizierte, bedeutende Risiken oder für bestehende Risiken mit wesentlichen Auswirkungen, Entwicklungsänderungen und hohen Eintrittswahrscheinlichkeiten in den Risikofeldern zeitnah und auf direktem Wege an unsere Führungsgremien zu erfolgen hat.

Externe Prüfer und die Konzernrevision begutachten als unabhängige Kontrollinstanzen in regelmäßigen Abständen die Qualität und Funktionsfähigkeit unseres Risikomanagementsystems. Dennoch können wir nicht mit letzter Sicherheit garantieren, dass alle relevanten Risiken frühzeitig erkannt werden und die Kontrollen und Prozesse in gewünschtem Maße funktionieren. Menschliches Fehlverhalten etwa lässt sich nie ganz ausschließen. 

Risiko-Portfolio 2019

Darstellung der Risiken

Die Risikobewertung erfolgt auf der Basis von gegebenen bzw. realistisch anzunehmenden Umständen. Die Veränderung des Risikoumfelds, die Einleitung von Maßnahmen und die Veränderung von Planungsansätzen führen dazu, dass sich das Risiko-Portfolio ändert. Daher ist die Risikoart Immobilien nicht mehr in den Top-Risiken enthalten. Die Risikoarten Preisentwicklung und Mitbewerber wurden aufgrund ihrer Überschneidungen ebenso zusammengefasst wie die Risikoarten Vermögenswerte und Mietverträge unter den Bewertungsrisiken.

a) Top-Risiken

Bewertungsrisiken

Unerwartete Budget- oder Prognoseabweichungen sowie Veränderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen können dazu führen, dass Vermögenswerte, wie Immobilien und Geschäfts- oder Firmenwerte sowie Nutzungsrechte, neu bewertet werden müssen. Dies kann die Ergebnisentwicklung des Konzerns wesentlich beeinflussen. Veränderungen der Input-Faktoren können entweder durch Impairmentabschreibungen zu Belastungen oder aber durch Zuschreibungen zu einer Entlastung der Ergebnissituation führen. Regelmäßige Überprüfungen der Werthaltigkeit der Vermögenswerte, die Prüfung und Plausibilisierung der Mittelfristplanungen sowie die Überwachung der laufenden Ergebnis- und Wertentwicklungen geben uns jederzeit ein aktuelles Bild über unser Bewertungsportfolio und über zukünftige Bewertungsrisiken. Notwendige strategische Maßnahmen zur Reduzierung des Wertminderungsrisikos können rechtzeitig eingeleitet werden.

IT und Datensicherheit

Aufgrund der hohen Abhängigkeit der Handels- und Touristikprozesse von IT-Systemen, einschließlich der gespeicherten Informationen, stellt die Sicherheit dieser Systeme ein wichtiges Fundament für den Erfolg des Unternehmens dar. Durch hohe Aufwendungen und Investitionen in die Sicherheit und Leistungsbereitschaft der Systeme sowie die laufende Kontrolle wichtiger Prozesse sollen die Risikolücken geschlossen werden. Zusätzlich werden unsere Mitarbeiter regelmäßig über wesentliche Veränderungen im Bereich der Datensicherheit durch Informationsveranstaltungen, Schulungen und Arbeitsanweisungen informiert.

Durch das Einführen neuer und aktueller Technologien wird die Sicherheit der Daten gewährleistet und somit ein möglicher Missbrauch auf ein Minimum reduziert. Das Dokumentieren von Prozessen, das Festlegen von Regelungen und Anweisungen sowie die Absicherung durch Verträge sind Basis für die Sicherheit der IT-Prozesse und -Systeme.

Trotz notwendiger Sicherungsmaßnahmen ist ein Restrisiko nicht ganz auszuschließen.

Personalrisiken

Durch die Dominanz der Personalkosten im Handelsbereich stehen vor allem auch Personalrisiken im Fokus der Risikoberichterstattung. Die Entwicklung der Tarife und der Lohnnebenkosten sowie verstärkt die Verfügbarkeit von Arbeitskräften sind daher von großer Bedeutung. Vor allem die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt zeigt aktuell eine verstärkte Risikoentwicklung.

Auch im Zusammenhang mit Fremddienstleistungen und Werkverträgen besteht weiterhin ein Risikopotenzial. Die Sensibilisierung der Führungskräfte und Mitarbeiter durch Schulungen und Informationsveranstaltungen sowie Handlungsempfehlungen sollen etwaige Risiken bei der Beauftragung von Fremddienstleistern reduzieren.

Um sicherzustellen, dass freie Stellen zügig und mit geeigneten Kandidaten besetzt werden, ist ein optimaler Recruitingprozess unabdingbar. Sollten die Kostenentwicklungen über den uns bisher bekannten bzw. erwarteten Entwicklungen liegen, führt dies zu einer verstärkten Belastung der Filialergebnisse und kann somit die Ergebnisentwicklung des Konzerns nachhaltig belasten. Durch die ständige Überprüfung unserer Prozesse sowie die Optimierung unserer Abläufe können Kostensteigerungen zum Teil kompensiert werden. Dies setzt ein straffes und konsequentes Kostenmanagement voraus.

Preisentwicklungsrisiken/Mitbewerber

Eine Verschärfung der Wettbewerbssituation kann die Preisentwicklung negativ beeinflussen und ist durch Maßnahmen nur schwer aufzufangen. Negative Preisentwicklungen belasten die Umsatz- und Rohertragsentwicklung nachhaltig und führen zu Ergebnisabschmelzungen.

Durch die verstärkten Markenartikellistungen bei den Discountern sowie im Non-Food-Bereich durch den weiterhin aggressiven Onlinehandel erhöht sich der Druck auf die Preisentwicklung in den Märkten. Da es sich bei diesen Artikeln im Wesentlichen um umsatzstarke Artikel handelt, wirken sich nachhaltige Preissenkungen bei diesen Artikeln wesentlich auf die Rohertragsentwicklung aus.

Durch ein Wettbewerbs- und Preis-Monitoring sind wir in der Lage, auf Preisanpassungen kurzfristig zu reagieren und uns auf die neue Preissituation einzustellen. Innovative Produkte und Marken sowie wettbewerbsfähige Kostenstrukturen helfen uns, Rohertragsabschmelzungen aufzufangen bzw. zu reduzieren.

Für ein Handelsunternehmen ist es wichtig, Markttrends frühzeitig zu erkennen und Differenzierungsmerkmale zum Wettbewerb durch neue Marktkonzepte zu erarbeiten. Die Veränderung der Lebensgewohnheiten der Kunden beeinflusst deren Einkaufsverhalten und damit die Ansprüche an den Markt. Daher ist es wichtig, frühzeitig Trends und Verhaltensänderungen zu kennen, um den Kunden die Marktkonzepte zu bieten, die ihren Ansprüchen gerecht werden. Wenn Trends bzw. Marktveränderungen zu spät erkannt werden, kommt es vor allem in den gesättigten Märkten zu einem langfristigen Wettbewerbsnachteil und somit zu Umsatz- und Ertragseinbußen.

Für den stationären Handel sowie für die Touristik stellt das wachsende Onlinegeschäft neue zu bewältigende Herausforderungen dar. Die zunehmenden Aktivitäten im Onlinehandel werden zu einer Veränderung in der Handelslandschaft führen. Daher ist es besonders wichtig, diese Entwicklung intensiv zu beobachten und sie aktiv zu begleiten. So hat die REWE Group ihre Onlineaktivitäten vor allem im deutschen Lebensmitteleinzelhandel weiterhin verstärkt. Es ist geplant, das Segment weiter auszubauen und eine führende Position im deutschen Lebensmitteleinzelhandel im Onlinegeschäft einzunehmen.

Ständige Weiterentwicklungen der Marktkonzepte und Sortimente führen dazu, dass Innovationen frühzeitig erkannt und umgesetzt werden müssen. Um Trends und Neuheiten nicht zu verpassen, führen wir eine ständige Beobachtung unserer Wettbewerber und der Märkte durch. Somit sind wir in der Lage, Trends und Veränderungen frühzeitig zu erkennen und umzusetzen.

Image

Bei einer fehlerhaften Kommunikation mit Kunden und Stakeholdern, vor allem beim Thema Nachhaltigkeit, kann es zu Image-Risiken des Unternehmens kommen. Da die REWE im Bereich der Nachhaltigkeit eine führende Rolle einnimmt, spielt die richtige und transparente Kommunikation z. B. bei Produkt- und Mitarbeiterthemen eine wichtige Rolle. Aufgrund der hohen Nachhaltigkeitsanforderungen und einer ständigen Beobachtung durch die Stakeholder kann eine fehlerhafte Kommunikation wesentliche negative Auswirkungen bei Kunden und Stakeholdern hervorrufen.

Die Nachhaltigkeitskommunikation unterliegt daher einer sorgfältigen Prüfung und wird durch die erforderlichen Fachbereiche durchgeführt. Kampagnen werden zentral durch die Marktforschung begleitet. Zur Prüfung von Kommunikationsmitteln und -aussagen wurde eine Clearing-Stelle aufgebaut.

Kundenmarketing

Im Bereich des Kundenmarketings entstehen vor allem Risiken bei der Verbreitung und Verteilung der Kunden- und Produktinformation. Störungen im Informationsprozess sowie verzögerte oder falsche Kundeninformationen haben wesentlichen Einfluss auf die Umsatz- und Ertragsentwicklung. Die Verteilung der Aufgaben auf mehrere Lieferanten und Dienstleister soll das Risiko einer Abhängigkeit sowie wesentlicher Kommunikationsstörungen verringern.

b) Sonstige Risiken

Finanzwirtschaftliche Risiken

Der Konzern ist durch seine Geschäftstätigkeit verschiedenen finanziellen Risiken ausgesetzt, insbesondere dem Liquiditätsrisiko, dem Zinsrisiko, dem Fremdwährungsrisiko und dem Rohstoffpreisrisiko (Jet Fuel). Die Liquiditäts-, Zins- und Fremdwährungsrisiken werden gemäß der Konzernrichtlinie zum Finanzmanagement systematisch gesteuert. Die finanziellen Risiken werden in enger Zusammenarbeit mit den operativen Einheiten identifiziert, bewertet und abgesichert. Über die Risikopolitik und Risikostrategie berät und entscheidet ein zentrales Treasury Committee. Darüber hinaus existieren Treasury Committees auf Ebene der Geschäftsfelder. Die Handlungsrahmen, die Verantwortlichkeiten, die finanzwirtschaftliche Berichterstattung und die Kontrollmechanismen für Finanzinstrumente sind in Richtlinien detailliert festgelegt. Insbesondere gehört hierzu eine klare Funktionstrennung zwischen Handel und Abwicklung.

Das übergreifende Management finanzwirtschaftlicher Risiken ist auf die Unvorhersehbarkeit der Entwicklungen auf den Finanzmärkten fokussiert und zielt darauf ab, negative Auswirkungen auf die Finanzlage zu minimieren. Hierbei hat die Risikobegrenzung generell Vorrang vor Rentabilitätsaspekten.

Zur Absicherung gegen Zinsänderungs-, Währungs- und Rohstoffpreisrisiken werden Termingeschäfte, Swaps und Optionen eingesetzt. Diese werden unter den sonstigen finanziellen Vermögenswerten bzw. Schulden ausgewiesen.

Als Finanzinstrumente werden Darlehen sowie Fest- und Tagesgelder eingesetzt.

Im Zuge des Liquiditätsmanagements wird sichergestellt, dass die einbezogenen Unternehmen jederzeit über die REWE International Finance B.V., Venlo (Niederlande), (RIF) durch ausreichend ungenutzte Kreditlinien über genügend Liquidität verfügen, sodass auch dann keine Liquiditätsrisiken bestehen, wenn unerwartet auftretende Ereignisse negative finanzwirtschaftliche Auswirkungen auf die Liquiditätslage haben.

Geplante Bedarfe an Jet Fuel werden in Abstimmung mit den Verantwortlichen innerhalb der DER Touristik durch derivative Finanzinstrumente mit Laufzeiten bis zu 18 Monaten abgesichert.

Rechtliche Risiken

Die REWE Group ist als international tätiges Unternehmen mit Veränderungen des Gesetzesrahmens für ihre unternehmerischen Aktivitäten konfrontiert, die zum Teil erhebliche Auswirkungen auf die Geschäfte der Gruppe haben können. Ein Team von Rechtsexperten beobachtet solche Veränderungen fortlaufend und koordiniert wichtige rechtliche Schritte der Gruppe.

Zur Sicherstellung der Einhaltung von gesetzlichen und unternehmensinternen Vorgaben wurde in der REWE Group im Jahr 2010 ein Compliance-Management-System (CMS) implementiert. Das CMS wird seitdem fortlaufend weiterentwickelt und umfasst insbesondere präventive Maßnahmen zur Vermeidung von Compliance-Risiken mit dem Fokus auf Kartell- und Korruptionsrisiken. Die dezentral strukturierte Compliance-Organisation verfügt über eine direkte Anbindung zum Vorstandsvorsitzenden.

Das Compliance-Programm wurde auch 2019 weiter ausgebaut. Die Konzeption des Compliance-Management-Systems der REWE Group nach dem IDW Prüfungsstandard PS 980 wurde bereits 2017 durch die externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG im Ergebnis ohne Einschränkungen bestätigt und konzernweit festgeschrieben. Im Zuge der Prüfung der „Angemessenheit des CMS“ werden weiterhin Compliance-relevante Prozessabläufe optimiert, inhaltlich und systemtechnisch angepasst sowie neue Prozesse aufgesetzt und sukzessive in der Gruppe implementiert. Der 2018 begonnene Ausbau des Schulungskonzeptes wurde 2019 weitestgehend abgeschlossen, mit dem Ziel der ganzheitlichen Implementierung in der REWE Group ab 2020. Des Weiteren wurden erneut zahlreiche Präsenzschulungen und Workshops durchgeführt, in denen den Mitarbeitern auch fachspezifisch ein Compliance-konformes Verhalten vermittelt wurde. Zu den bereits bestehenden interaktiven Onlineschulungen wurden auch 2019 Präsenzschulungen zum Thema Kartellrecht durchgeführt. Darüber hinaus wurde der Aufbau neuer Onlineschulungen zu den Themen „Integrität und Antikorruption“ 2019 abgeschlossen, die ab 2020 Group-weit ausgerollt werden. Auch das Angebot einer individuellen Compliance-Beratung wurde sowohl von den Führungskräften als auch von den Mitarbeitern genutzt. Nach Abschluss des Projekts der Reorganisation des Konzern-Richtlinienmanagements 2017, das seit 2016 im Verantwortungsbereich des Zentralbereichs Governance & Compliance liegt, wurden auch 2019 fortlaufend konzernrelevante Richtlinien auf die neue Systematik und in das eigens dafür geschaffene national und international gültige IT-System „House of Rules (HORUS)“ überführt und durch regelmäßige Kommunikationsmaßnahmen begleitet. Ein Regelprozess wurde implementiert. Die Überarbeitung und Modernisierung des Verhaltenskodex der REWE Group wurde 2019 abgeschlossen. Der Group-weite Rollout erfolgte zu Beginn des Jahres 2020 und wurde durch eine umfangreiche Kommunikationskampagne begleitet. Darüber hinaus wurde der Zentralbereich Compliance 2019 durch den Vorstand mit einem Group-weiten Projekt zur Durchführung eines Risk-Assessments zum Thema „Sanktionen & Embargos“ beauftragt.

Auf den REWE-internen Mitarbeiterplattformen stehen den Mitarbeitern weiterhin wesentliche Compliance-Informationen verständlich und aktuell zur Verfügung. Dort wird auch das Hinweismanagementsystem der REWE Group vorgestellt und werden alle möglichen Kontaktdaten für eine Hinweismeldung veröffentlicht. Wesentliche Informationen zum CMS sowie der Verhaltenskodex der REWE Group sind darüber hinaus auch auf den Internetseiten der REWE Group verfügbar.

Mit Entscheidung vom 2. Februar 2017 hat die EU-Kommission ein förmliches Verfahren gegen die größten europäischen Reiseveranstalter aus Anlass von Verdachtsmomenten auf Quellmarktbeschränkungen eingeleitet, in die auch Unternehmen des Konzerns einbezogen waren. Der Ausgang dieser Ermittlungen ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur schwer einschätzbar.

Steuerrisiken

Steuerliche Risiken ergeben sich insbesondere aus laufenden und noch ausstehenden Betriebsprüfungen. Diese und mögliche rechtliche Risiken werden grundsätzlich durch die Bildung von Rückstellungen bzw. durch eine Wertberichtigung von Ansprüchen bilanziell berücksichtigt. Steuerliche Risiken werden durch die intensive Betreuung und Information der operativen Bereiche durch ausgebildete Steuerexperten, die Einbindung dieser Experten in Veränderungsprojekte und Vertragsangelegenheiten und durch das interne Kontrollsystem vermindert.

Gesellschaftspolitische Risiken

Als international tätige Unternehmensgruppe ist die REWE Group von der politischen und wirtschaftlichen Situation in den Ländern, in denen sie tätig ist, abhängig. Die Rahmenbedingungen der einzelnen Länder können sich schnell ändern. Wechsel oder Instabilität der politischen Führung, Streiks, Unruhen, Anschläge, Embargos oder die Veränderung von Vorschriften, Gesetzen oder Abgaben können zu Risiken führen.

Die aktuell angespannte Situation in Europa, die intensiven Diskussionen zur Einwanderungs- und Asylpolitik und die unterschiedlichen Auffassungen der einzelnen Mitgliedsstaaten zur Europapolitik verfolgen wir sehr gezielt − insbesondere aber auch die Folgen des Austritts Großbritanniens aus der EU (Brexit). Zudem betrachten wir die Entwicklung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran sowie die Auswirkung auf die politische und wirtschaftliche Entwicklung Europas sowie die Einflüsse des Coronavirus auf die Weltwirtschaft sehr genau.

Die Entwicklung der gesellschaftspolitischen Risiken in den für uns relevanten Ländern beobachten wir stetig. Vor allem die derzeitige politische Entwicklung in den Ländern der arabischen Welt sowie die damit einhergehende Unsicherheit für unsere Märkte in den Zielgebieten und für die europäische Wirtschaft beobachten wir sehr genau.

Risiken oder Chancen, die sich aus der gesellschaftlichen und politischen Situation ergeben, werden wir genau analysieren und Maßnahmen, wenn notwendig, einleiten.

Besonders beschäftigen uns die Auswirkungen der Coronakrise auf die Gesellschaft und die wirtschaftliche Entwicklung des Konzerns. Da die Lage sehr unklar ist und nicht gesichert ist, ob die von den einzelnen Ländern eingeleiteten Maßnahmen greifen, ist eine Einschätzung der Auswirkung auf unsere geschäftliche Entwicklung zurzeit nicht möglich. Einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung werden die Dauer und die Intensität der Krise haben.

Zurzeit ist es die primäre Aufgabe der REWE Group, die Bevölkerung mit Lebensmitteln zu versorgen. Hierbei besteht ein besonderes Risiko darin, die Lieferketten weiterhin aufrechterhalten zu können. Wir können nicht abschätzen, ob zukünftig genügend Mitarbeiter in den Märkten und Lägern zur Verfügung stehen werden, um diese auch weiterhin betreiben zu können.

Die Touristikbranche ist vollständig zum Erliegen gekommen. Bereits gebuchte Reisen werden storniert, neue Reisen werden nicht gebucht und Zahlungsverpflichtungen ist nachzukommen. Besonders im Geschäftsfeld Touristik ist der Einfluss auf die Entwicklung von der Dauer der Krise abhängig.

Resultierend aus den ausbleibenden Reisebuchungen sowie infolge von Stornierungen wegen der Coronakrise wird sich der Liquiditätsbeitrag des Geschäftsfelds Touristik zur Liquiditätsposition der REWE Group im Geschäftsjahr 2020 signifikant reduzieren. Im operativen Geschäft des Geschäftsbereichs Touristik werden entsprechende Gegenmaßnahmen ergriffen, um auf die geänderte Nachfragesituation zu reagieren und voraussichtliche Effekte auf die Umsatz- und Ergebnisentwicklung zu reduzieren.

Auch bei einer länger andauernden Schließung wesentlicher Zielgebiete sind die Liquiditätsreserven der REWE Group ausreichend, um allen Verpflichtungen fristgerecht nachzukommen.

Das Geschäftsfeld Baumarkt ist durch vorübergehende Marktschließungen von der Coronakrise betroffen. Eine zeitliche Ausweitung notwendiger Maßnahmen wie Marktschließungen oder Kundeneingrenzungen werden zu Umsatz - und Ergebniseinbußen führen.

Zusätzlich zu den Krisenstäben in den Einheiten ist zur besseren Überwachung der Aktivitäten und Risiken ein konzernweiter Krisenstab eingerichtet, der regelmäßig tagt und die Situation aktuell bewertet.

Darstellung der Chancen

Markt und Kunde

Die REWE Group ist in den Ländern West- und Osteuropas mit erfolgreichen Marken und Vertriebsstrategien vertreten. Durch die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und die Weiterentwicklung innovativer Vertriebskonzepte sowie die konsequente Ausrichtung des Handels auf die Bedürfnisse der Kunden kann die REWE Group ihre Chancen im Markt nutzen.

Hierbei steht der Kunde im Mittelpunkt des Handelns. Durch den Ausbau der Sortimente an regionalen und nachhaltigen Produkten übernimmt die REWE Group eine Vorreiterrolle im Lebensmittelhandel, die zu einer deutlichen Differenzierung von den Wettbewerbern führt.

Im internationalen Geschäft steht die REWE Group im Handel für starke Marken wie BILLA, MERKUR, BIPA, PENNY und IKI, die einen hohen Bekanntheitsgrad haben. Unsere Stärke ist ein landesspezifisches und innovatives Sortiment, das es ständig zu verbessern und auszubauen gilt. Verbesserungen im Bereich Qualität und Frische führen zu einer positiven Kundenwahrnehmung und verstärken unsere Position im Wettbewerb.

Durch Investitionen in ein modernes und flächendeckendes Filialnetz und das Fokussieren auf starke Marken und Vertriebskonzepte sind wir in der Lage, unseren Marktanteil zu verbessern.

Durch den verstärkten Ausbau unseres Touristikgeschäfts können wir unsere starke Position im europäischen Markt behaupten und ausbauen. Der Ausbau der Wertschöpfungskette und die Expansion in zusätzliche Quellmärkte führen zu zusätzlichen Wertbeiträgen und erhöhen das Potenzial, Chancen im Markt zu realisieren.

Durch den weiteren Ausbau unserer Onlineaktivitäten wollen wir weiterhin die Chancen nutzen, vom Wachstum des Onlinehandels bzw. Onlinegeschäfts zu profitieren. Gleichzeitig können wir unsere Marktposition durch eine sinnvolle Verknüpfung unserer starken stationären Handelsaktivitäten und Dienstleistungsaktivitäten in der Touristik weiter ausbauen.

Durch die Integration neuer Geschäftsmodelle werden wir unsere Chancen nutzen, um weiteres stetiges Wachstum zu generieren und Synergien zu realisieren.

Preise

Der vorherrschende starke Wettbewerb im Lebensmittelhandel und die anhaltenden Preiskämpfe sowie die verstärkte Markenartikellistung im Discountbereich belasten die Margen des Lebensmittelhandels stark. Sollten die Preiskämpfe und der Wettbewerbsdruck abnehmen bzw. sich entspannen, kann dies zu steigenden Umsätzen und Margen und somit zu einer positiven Entwicklung der Roherträge führen.

Der Erfolg unserer Handelsunternehmen ist in erheblichem Maße von den Einkaufspreisen abhängig. Um den wachsenden Herausforderungen des Wettbewerbs im Handel und der zunehmenden Internationalisierung des Lebensmitteleinzelhandels gerecht zu werden, haben wir in der Vergangenheit eine Einkaufsgesellschaft mit E.Leclerc in Brüssel gegründet.

Weiterhin besteht mit weiteren europäischen Handelsunternehmen die strategische Allianz COOPERNIC. Durch den gemeinsamen Einkauf und die Konditionenverhandlungen können wir dem Risiko der Einkaufspreisvolatilität entgegenwirken und internationale Einkaufspotenziale heben.

Kosten

Kontinuierliche Prozess- und Kostenoptimierungen führen zu Produktivitätsverbesserungen, die sich positiv auf die Kosten und somit auf das Ergebnis auswirken.

Gesamtbewertung der Risikosituation durch die Unternehmensleitung

Aufgrund unserer Tätigkeit im Handels- und Touristikbereich sind wir in besonderem Maße von der Konsumgüternachfrage und den Wettbewerbsverhältnissen abhängig. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass die wirtschaftliche Entwicklung in den Ländern West-, Süd- und Osteuropas sehr starken Einfluss auf die Kaufkraft und somit auf die Konsumgüternachfrage hat. Auch wenn der Lebensmittelhandel nicht so stark von der Konjunkturkrise betroffen ist wie andere Handelsbereiche, so zeigt sich doch bei einer Verschlechterung der Rahmenbedingungen ein negativer Einfluss auf den Unternehmenserfolg.

Bei einer wesentlichen Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und einer Verschärfung der politischen und wirtschaftlichen Situation der führenden Nationen in Amerika, Asien und Europa werden die Risikopotenziale stark ansteigen. Auch die Entwicklung innerhalb der Europäischen Union und die Diskussion um deren Zukunft, insbesondere die Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU, können zu einem erhöhten Risikopotenzial führen. Im Geschäftsfeld Touristik ist das Buchungsverhalten der Kunden wesentlich durch wirtschaftliche Rahmenbedingungen und externe Faktoren beeinflusst. Politische Ereignisse, Naturkatastrophen, Epidemien oder terroristische Anschläge beeinflussen die Nachfrage nach Reisen in bestimmte Zielgebiete.

Die aktuelle wirtschaftliche Unsicherheit infolge der Coronakrise hat einen wesentlichen Einfluss auf die Umsatz- und EBITA-Entwicklung der REWE Group. Es ist heute schwierig aufzuzeigen, wie die Gesamtentwicklung für die Gruppe aussehen wird. Erkennbar ist, dass die Touristik- und die Baumarktbranche aufgrund der Restriktionen und Einschränkungen wesentliche Ergebniseinbußen hinnehmen müssen. Die Bewertung der Risiko-Lage ist sehr schwierig, da die Einschätzung von der Dauer und Intensität der Krise abhängt. Der Lebensmittelhandel verzeichnet derzeit eine positive Umsatz- und Ergebnisentwicklung aus der aktuellen Situation. Es ist aber nicht abzusehen, welche Umsätze und Roherträge nachhaltig auf das Jahr wirken und ob die Kostenentwicklung weiterhin in der bisherigen Struktur aufrechterhalten werden kann.

Insgesamt sind dennoch keine Risiken erkennbar, deren Eintritt den Fortbestand des Konzerns gefährden könnten.