REWE Group
Geschäftsbericht 2019

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

1. Gesamtwirtschaftliche Entwicklung

Handelskonflikte führen nicht nur im Verhältnis der USA zu China, sondern auch zu anderen Staaten zu einem reduzierten Warenaustausch. Zudem belasten sie die Weltwirtschaft dadurch, dass die politischen Rahmenbedingungen für den Außenhandel unsicherer werden. Auch die Unsicherheiten bezüglich der Ausgestaltung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU (Brexit) belasteten den innereuropäischen Handel.

Entwicklung der Wirtschaftsdaten der REWE Group-Länder
in Prozent¹BIPInflationArbeitslosigkeit
20182019e*2019e20182019e*2019e20182019e*2019e
Deutschland1,51,30,51,92,01,43,43,03,1
Österreich2,72,21,62,12,11,64,94,64,6
Tschechien3,03,02,52,02,32,42,32,22,1
Italien0,80,60,21,31,30,810,610,410,0
Ungarn4,93,34,62,93,13,43,73,53,4
Rumänien4,13,44,04,13,54,04,24,23,9
Slowakei4,14,12,62,52,42,56,56,05,3
Russland2,31,61,12,95,14,74,85,34,6
Litauen3,52,93,42,52,72,46,25,86,1
Bulgarien3,13,13,72,62,42,75,24,64,6
Schweiz2,81,80,80,91,40,62,52,82,8
Großbritannien1,31,51,32,52,12,04,14,43,9
Schweden2,32,20,92,12,01,86,36,06,7
Norwegen1,32,11,92,82,02,33,93,73,6
Frankreich1,71,51,32,11,81,39,18,78,5
Dänemark1,51,91,70,71,50,75,04,84,9
Ukraine3,32,73,010,97,38,79,09,28,7
Kroatien2,62,63,01,61,81,08,48,67,0
  • Quellen: International Monetary Fund, World Economic Outlook Database Oktober 2019, Update Januar 2020; Gemeinschaftsdiagnose (Herbst 2019)
  • e = erwartet; e* = im Vorjahr erwartet
  • 1BIP-Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent

In Deutschland hat sich die Konjunktur 2019 weiter abgekühlt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) konnte um 0,5 Prozent (Vorjahr: 1,5 Prozent) gesteigert werden, die Entwicklung fiel jedoch im Vergleich zum Vorjahr und zu den Prognosen deutlich moderater aus: Zwar lag die Kapazitätsauslastung weiter über einem langjährigen Durchschnitt, jedoch ist die Produktion seit eineinhalb Jahren rückläufig. Die Ursachen liegen vor allem in den wirtschaftlichen Unsicherheiten aufgrund der bestehenden Handelskonflikte und der Unklarheiten in Bezug auf den Brexit, die sich weltweit negativ auf die Investitionen auswirkten. Gestützt wurde die Wirtschaft durch den Konsum privater Haushalte. Die Inflation verminderte sich 2019 auf 1,4 Prozent (Vorjahr: 1,9 Prozent) und lag damit auch unterhalb der Prognose von 2,0 Prozent, unter anderem aufgrund gesunkener Energiepreise. Die Arbeitslosenquote sank leicht im Vergleich zum Vorjahr auf 3,1 Prozent (Vorjahr: 3,4 Prozent). Nichtsdestotrotz verlangsamte sich der Beschäftigungsanstieg bedingt durch die Konjunkturschwäche deutlich.

In Österreich lag das Wachstum des BIP 2019 nach mehreren Jahren starken Wachstums mit 1,6 Prozent deutlich unter der Entwicklung des Vorjahres (2,7 Prozent) und der Prognose von 2,2 Prozent. Ursächlich hierfür waren die Abschwächung des globalen Handels und die rückläufige Konjunktur in Deutschland, die die Entwicklung der exportorientierten Industrie des Landes beeinflussten und die Investitionstätigkeiten verlangsamten. Positiv beeinflusst wurde die Konjunktur durch den privaten Konsum, der durch fiskalische Impulse und eine gute Arbeitsmarktlage gestützt wurde. Die Arbeitslosenquote lag 2019 bei 4,6 Prozent (Vorjahr: 4,9 Prozent). Das Preisniveau lag 2019 im Vergleich zum Vorjahr mit einer Inflationsrate von 1,6 Prozent deutlich unter dem Niveau des Vorjahres (2,1 Prozent).

In Italien stagnierte das Wirtschaftswachstum 2019 mit 0,2 Prozent (Vorjahr: 0,8 Prozent) nahezu. Ursächlich hierfür ist eine anhaltende Schwäche im verarbeitenden Gewerbe. Die Arbeitslosenquote sank auf 10,0 Prozent (Vorjahr: 10,6 Prozent). Die Inflationsrate verminderte sich auf 0,8 Prozent (Vorjahr: 1,3 Prozent) vor allem aufgrund der Preisentwicklung der Energiekosten.

Die Konjunktur in den zentral-osteuropäischen Ländern, in denen die REWE Group vertreten ist, entwickelte sich 2019 in allen Ländern positiv. Bulgarien und Kroatien konnten das Wirtschaftswachstum des Vorjahres und die Prognosen übertreffen. Litauen, Rumänien, die Ukraine und Ungarn lagen zwar leicht unter der Vorjahresentwicklung, konnten aber die Prognosen zum Teil deutlich übertreffen. Russland, die Slowakei und Tschechien lagen zum Teil deutlich unter der Vorjahresentwicklung und den Prognosen. Grundsätzlich wurde die wirtschaftliche Entwicklung in den zentral-osteuropäischen Ländern von den rückläufigen Entwicklungen in den anderen EU-Ländern – und zum Teil besonders in Deutschland – beeinflusst. Dennoch entwickelte sich insgesamt das BIP in den zentral-osteuropäischen Ländern – mit Ausnahme von Russland – zum Teil deutlich besser als in den für die REWE Group relevanten Ländern West- und Nordeuropas. Der Aufschwung stützte sich in den meisten Ländern maßgeblich auf den privaten Konsum, der von der guten Beschäftigungslage sowie gestiegenen Reallöhnen profitieren konnte, und auf Investitionen, die auch bedingt durch den Abruf von EU-Geldern anstiegen. Die anhaltend positive Entwicklung zeigt sich ebenso auf den Arbeitsmärkten: Die Arbeitslosenquote ist in allen Ländern zum Teil merklich gesunken; jedoch führt die steigende Beschäftigungsentwicklung auch zu einem Fachkräftemangel. Die Inflationsrate in Kroatien, Litauen, Rumänien und der Ukraine sank zum Teil deutlich im Vergleich zum Vorjahr. In den übrigen Ländern – mit Ausnahme der Slowakei, wo die Inflationsrate im Vergleich zum Vorjahr unverändert war – stieg die Inflationsrate im Vorjahresvergleich.

In Skandinavien verzeichneten Dänemark und Norwegen ein höheres Wirtschaftswachstum als im Vorjahr, während insbesondere die Konjunktur in Schweden von der rückläufigen Weltwirtschaft, den Handelskonflikten sowie den Unsicherheiten aus dem Brexit stark getroffen war: Die Wirtschaft wuchs lediglich um 0,9 Prozent. Dieser Wert lag somit deutlich unter der Vorjahresentwicklung (2,3 Prozent) und den Erwartungen (2,2 Prozent). Insgesamt wurde die Konjunktur in den drei Ländern besonders durch den privaten Konsum gestützt. Die wirtschaftliche Entwicklung spiegelt sich auch auf den Arbeitsmärkten wider: Während Dänemark und Norwegen rückläufige Arbeitslosenquoten auswiesen, lag die Arbeitslosenquote in Schweden deutlich über der Vorjahresquote und den Prognosen. Die Inflationsrate in Schweden und Norwegen verminderte sich im Vorjahresvergleich, in Dänemark blieb die Preissteigerung auf Vorjahresniveau.

Die Konjunktur in der Schweiz verzeichnete mit einem BIP-Wachstum von 0,8 Prozent eine moderate Entwicklung und lag deutlich unter der Entwicklung des Vorjahres (2,8 Prozent) und der Prognose (1,8 Prozent). Diese Wachstumsverlangsamung deutete sich bereits im zweiten Halbjahr 2018 an. Wesentlicher Treiber des Wachstums waren die Exporte pharmazeutischer Produkte, während die übrigen Branchen von der Verlangsamung der internationalen Konjunktur beeinflusst wurden. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich moderat auf 2,8 Prozent (Vorjahr: 2,5 Prozent) und entsprach damit der Prognose. Die Inflationsrate bewegt sich mit 0,6 Prozent (Vorjahr: 0,9 Prozent) weiterhin auf niedrigem Niveau.

Die wirtschaftliche Entwicklung lag in Großbritannien 2019 mit 1,3 Prozent auf Vorjahresniveau und nur leicht unter den Erwartungen (1,5 Prozent). Insbesondere die Industrie reagierte mit Verunsicherung auf den Brexit, indem beispielsweise Investitionspläne verschoben wurden. Der robuste Arbeitsmarkt – die Arbeitslosenquote sank auf 3,9 Prozent (Vorjahr: 4,1 Prozent) und lag damit auch deutlich unter der Prognose (4,4 Prozent) – war eine Ursache dafür, dass der private Konsum auch aufgrund gestiegener Realeinkommen einen maßgeblichen Treiber der wirtschaftlichen Entwicklung darstellte. Die Inflationsrate sank weiter auf 2,0 Prozent (Vorjahr: 2,5 Prozent).

Die wirtschaftlichen Unsicherheiten resultierend aus den bestehenden Handelskonflikten und den Unklarheiten in Bezug auf den Brexit hatten auf die Konjunktur in Frankreich einen weniger starken Einfluss als auf andere große EU-Länder: Das Wirtschaftswachstum verlief 2019 mit 1,3 Prozent (Vorjahr: 1,7 Prozent) robust. Dies war bedingt durch eine geringere Abhängigkeit vom Exportmarkt und eine starke Binnennachfrage, deren maßgeblicher Treiber die Unternehmensinvestitionen waren. Die von der Regierung ergriffenen Maßnahmen zur Stärkung der Kaufkraft als Reaktion auf soziale Proteste, Steuersenkungen und die Schaffung neuer Arbeitsplätze stützten die wirtschaftliche Entwicklung ebenfalls, wenn auch die höhere Kaufkraft aufgrund der Verunsicherung – unter anderem bedingt durch Reformvorhaben der Regierung – nicht vollständig für Konsumzwecke eingesetzt wurde. Die Arbeitslosenquote sank auf 8,5 Prozent (Vorjahr: 9,1 Prozent), lag aber im europäischen Vergleich weiter im oberen Bereich. Die Inflationsrate sank deutlich von 2,1 Prozent im Vorjahr auf 1,3 Prozent.