REWE Group
Geschäftsbericht 2020

LAGERNETZ
WIRD FIT FÜR DIE ZUKUNFT

REWE
Größere Mengen, höherer Umschlag, mehr Artikel: Die Anforderungen an die Logistik nehmen zu. REWE schafft mit dem Projekt BeneFiT25 die Voraussetzungen, die Märkte auch künftig bedarfsgerecht zu beliefern. Die Corona-Pandemie bestätigte diese Strategie im Jahr 2020.

Die Kernaufgabe der Logistik lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Sie muss sicherstellen, dass der richtige Artikel in der richtigen Menge, in der richtigen Qualität, zum richtigen Zeitpunkt, zu den richtigen Kosten am richtigen Ort verfügbar ist. Damit dies gelingt, bedarf es eines komplexen Lager- und Transportsystems. Viele Rädchen müssen ineinandergreifen. Und die Herausforderungen werden auch abseits eines bewegten 2020er Jahres mit Corona größer. Sortimente werden zunehmend regionaler bzw. lokaler und nach Marktformen differenzierter, Streckenlieferanten müssen integriert werden, alles muss schneller gehen und natürlich nehmen bei dem kontinuierlichen Wachstum der REWE die zu transportierenden Mengen stetig zu. Das alles passiert in einem Umfeld, das für zusätzliche Erschwernisse sorgt: Geeignete Flächen für neue Lager sind rar, Personal- und Baukosten steigen. Auch Kraftstoffkosten und Mautgebühren sowie die regulatorischen Anforderungen nehmen zu. Zudem steht die Logistik in starkem Wettbewerb um qualifizierte und engagierte Arbeitskräfte. All das sorgt für Handlungsdruck. Die Zukunftsstrategie für die REWE-Vollsortimentslogistik fokussiert die gesamte Supply Chain vom Markt bis zu den Lieferanten und ist auch bei sich ändernden Szenarien anpassbar.   

BeneFiT25 heißt das Projekt, mit dem sich die REWE Logistik auf weiteres Wachstum von Umsatz, Artikeln und Mengen in den nächsten Jahren einstellt. Dabei sollen alle Beteiligten profitieren: Kund:innen, Märkte und Beschäftigte. Mehr als 1,1 Milliarden Euro investiert REWE in den Bau, die Erweiterung sowie die Teilautomatisierung von acht Standorten – sechs Regionallager (Henstedt-Ulzburg, Oranienburg, Wölfersheim, Wiesloch, Stelle, Breuna), ein regionales Frischezentrum (Lahr) sowie ein nationales Zentrallager (Magdeburg). Dabei geht es um sehr viel mehr als nur zusätzliche Flächen. „Wir möchten mit einem noch besseren Logistikservice eine optimale Vorleistung für die Märkte gewährleisten. Gleichzeitig wollen wir aber auch flexibel bleiben, um neue Anforderungen aus dem Sortiment oder dem Vertrieb erfüllen zu können“, betont Lars Siebel, Leiter Logistik und Supply Chain Management, Handel Deutschland.   
 

Die REWE Logistik
in Zahlen

Über 15.000 Beschäftigte arbeiten für die REWE Logistik

20
Lagerstandorte: davon 2 nationale Zentrallager für Trockensortiment (Neu-Isenburg / Osterweddingen) sowie 18 Regionallager
42.6
Mio.
Transporteinheiten pro Jahr

Über 1 Mio. Touren pro Jahr zur Belieferung der Märkte

Die Lagerfläche entspricht etwa der Größe von 150 Fußballfeldern

25,000
Lagerartikel

Zahl der Produkte steigt seit Jahren

Aufgrund der Wünsche unserer Kund:innen nach einem immer differenzierteren Sortiment sowie durch die Integration von Streckenlieferanten wird die Anzahl der zu lagernden Artikel in den kommenden Jahren noch weiter ansteigen. Das heißt: Es wird für die Logistik immer mehr zu einer Herausforderung, Mengen so zu bündeln und Frequenzen so zu takten, dass optimale Belieferungslösungen für unsere Märkte und externen Partner entstehen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die weitere Automatisierung der Prozesse in den Lagern. Und das gleich aus mehreren Gründen. Moderne, mit Automatisierungstechnik ausgestattete Standorte benötigen eine um etwa ein Viertel kleinere Grundfläche als konventionelle Lager. Denn sie können höher gebaut bzw. die Ware darin kann kompakter gelagert werden. Ein solcher Grundriss verkürzt die Wege für die Kommissionierer:innen, erleichtert diesen die Arbeit (Wegfall von Wartezeiten, keine „kreuzenden“ Verkehre, weniger Unfallrisiko, mehr Ergonomie, weniger Fehler) und beschleunigt damit die Abläufe. 

Anders als mitunter vermutet, macht eine Teilautomatisierung der Lager menschliche Arbeit keineswegs komplett überflüssig. Im Gegenteil. Nach wie vor sorgt jeder Neubau für bis zu 500 krisensichere Arbeitsplätze. Gesucht sind dabei in Zukunft jedoch nicht mehr nur Kommissionierer:innen und Disponent:innen, sondern immer häufiger auch Spezialist:innen für Automatisierung und IT-Fachkräfte. Hochqualifizierte Jobs, die nicht in die gängige Vorstellung von Logistik passen, wie sie viele Branchenfremde von diesem Wirtschaftszweig haben. „Mancher denkt beim Stichwort Logistik noch immer vor allem an Paletten und Gabelstapler. Doch das verändert sich. Mit BeneFiT25 heben wir das Berufsbild in der Logistik auf ein höheres Niveau und erweitern die Vielfalt der Tätigkeiten und Qualifikationsmöglichkeiten“, betont Lars Siebel. Ganz ohne Mitarbeiter:innen, die mit anpacken, werden jedoch auch die Lager der neuen Generation nicht auskommen. Aber intelligente technische Helfer und eine durchdachte Planung machen die Arbeitsplätze immer ergonomischer. Schwere Waren heben und verladen – solche Jobs werden künftig immer häufiger Maschinen erledigen. Aufgabe der Beschäftigten wird es dagegen zunehmend sein, Technik zu steuern, zu beobachten und Fehler zu beheben. Das ist gut für ihre persönliche Gesundheit und macht Arbeitsplätze in der Logistik attraktiver. 
 

Der geplante Lagerstandort in Henstedt-Ulzburg/Schleswig-Holstein soll das REWE-Lagernetz ab der zweiten Jahreshälfte 2022 verstärken.

Corona bestätigt strategische Lagernetzoptimierung

„Die Erfahrungen in der Corona-Pandemie haben bestätigt, was wir im Rahmen unserer strategischen Lagernetzoptimierung bereits vor Jahren als notwendig angesehen haben: die Kapazitäten deutlich zu erweitern und noch bessere Belieferungslösungen für die Märkte zu entwickeln“, meint Lars Siebel. Das vergangene Jahr war ein Kraftakt für die REWE Logistik. Viele haltbare und somit gut zu bevorratende Produkte wie Nudeln, Mehl oder Zucker waren zeitweise nicht nur in den REWE-Märkten, sondern überall im deutschen Handel Mangelware. Und in Zeiten geschlossener Restaurants und von vermehrtem Homeoffice waren auch frische Waren wie Obst und Gemüse mehr gefragt. Die REWE-Lager wickelten 2020 ein um mehr als zehn Prozent höheres Volumen ab als im Jahr zuvor. Ein solches Niveau war in den Planungen frühestens für 2022 vorgesehen gewesen. Trotz der großen Belastungen, die REWE Logistik im Tagesgeschäft zu stemmen hatte, gab es bei BeneFiT25 keine Verzögerungen. „Wir haben im vergangenen Jahr nur durch – teilweise Corona-bedingte – Verzögerungen im Genehmigungsverfahren Zeit verloren. Die Baustellen liefen unter Beachtung aller Schutzvorschriften auf Hochtouren. Alle Beteiligten haben an einem Strang gezogen“, betont Jan Müller, der Gesamtprojektleiter BeneFiT25. Die ersten drei Standorte (Lahr, Wiesloch und Oranienburg) werden in diesem Jahr Schritt für Schritt in Betrieb gehen. 2022 folgen die Lager in Henstedt-Ulzburg, Breuna und Stelle, ehe im Jahr darauf der Standort Magdeburg und nachfolgend der Standort Wölfersheim sukzessive hochgefahren werden. Dabei wird es nicht bleiben. Die REWE Logistik wird ihr Lagernetz auch über die in der ersten Stufe von BeneFiT25 definierten Projekte hinaus verdichten und weiter optimieren. Weitere Lagerstandorte werden gesucht. Gut möglich, so meint Lars Siebel, dass die Erfahrungen in der Zeit der Corona-Pandemie dabei behilflich sein werden. Denn in der Krise hat die REWE Logistik eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig ihre Leistungen für die umfassende und zuverlässige Versorgung der Bevölkerung sind – oder, mit einem Wort: dass sie systemrelevant ist. Zudem haben viele REWE-Lager im vergangenen Jahr gegen den allgemeinen Trend in der Wirtschaft Beschäftigte eingestellt. „Kurzum: Wir haben ein positives Bild abgeliefert. Diese Welle möchten wir nutzen – bei der Suche nach geeigneten Grundstücken und der Gewinnung neuer Kolleg:innen“, meint Lars Siebel.   

PENNY-Lager in Kronau geht im Sommer 2020 ans Netz

Auch PENNY hat sein Logistiknetzwerk 2020 verbessert. Im Sommer nahm das neue, 50.000 Quadratmeter große Lager in Kronau seinen Betrieb auf. Es versorgt ca. 275 PENNY-Märkte in der Region Südwest – und optimiert zugleich die internen Abläufe. Beispielsweise wird am neuen Standort kälte- und wärmeliebendes Obst und Gemüse getrennt. Das erhöht dessen Qualität und sorgt für eine längere Haltbarkeit der Ware bei den Kund:innen.