Herausforderungen im Personalmarketing

Wie finden wir morgen die richtigen Mitarbeiter?

Die REWE Group wächst – und hat Jahr für Jahr mehrere Tausend Stellen zu besetzen. Doch es wird zunehmend schwieriger, neue Mitarbeiter zu finden. Dafür sorgt die Demografie: Die Babyboomer-Generation nähert sich dem Rentenalter und jüngere Jahrgänge sind dünner besetzt. Das verlangt viel Kreativität im Personalmarketing und Recruiting. Lesen Sie mehr im Interview mit Dr. Daniela Büchel, Bereichsvorstand Handel Deutschland, Human Resources/Nachhaltigkeit. 

Qualifizierte Bewerber können heute aus einer Vielzahl attraktiver Job-Angebote wählen. Warum sollten sie sich für eine Karriere im Handel entscheiden?

Dr. Daniela Büchel: Viele Nachwuchskräfte wissen nicht, dass der Handel interessante, vielseitige Tätigkeiten anzubieten hat und gute Aufstiegschancen bereithält. Sie erleben die Märkte oft nur als Kunden – mit langen Öffnungszeiten, auch an Samstagen. Daraus leiten sie ab, dass ein Job im Handel körperlich anstrengend ist, wenig Abwechslung bietet und immer erst dann Feierabend ist, wenn anderswo schon lange nicht mehr gearbeitet wird. Das ist falsch. Deshalb muss sich der Handel anstrengen, sein Image als Arbeitgeber zu verbessern. Es muss stärker sichtbar werden, dass ein Job im Markt mehr ist, als Waren zu verräumen und an der Kasse zu sitzen. Und dass der Handel gerade jungen Menschen schon früh die Möglichkeit bietet, Verantwortung zu übernehmen und Karriere zu machen – auch ohne ein Studium.

Dr. Daniela Büchel, Bereichsvorstand Handel Deutschland Human Resources/Nachhaltigkeit

Dr. Daniela Büchel,
Bereichsvorstand Handel Deutschland
Human Resources/Nachhaltigkeit

Aufgrund der demografischen Entwicklung ändern sich die Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt. Es gibt in Deutschland, rein rechnerisch, weniger Bewerber für freie Stellen. Wie reagiert die REWE Group auf diese Entwicklung?

Dr. Daniela Büchel: Beim Recruiting heißt es umzudenken: Wir warten nicht ab, bis Kandidaten sich bei uns bewerben, sondern wir gehen auf die Menschen zu und stellen uns als Händler in Deutschland als ein attraktiver, moderner Arbeitgeber vor. Und das möglichst in einer Lebensphase, in der Nachwuchskräfte ihre Berufswahl treffen oder beginnen, Informationen über mögliche Arbeitgeber zu sammeln. Konkret: REWE und PENNY suchen Kontakte zu Schulen, sind in sozialen Netzwerken aktiv und sprechen über Hochschulkooperationen und Karrieremessen den akademischen Nachwuchs an. Wenn Bewerber dann zu einem Informationsgespräch bei uns im Haus sind, versuchen wir, Handel greifbar zu machen und sie von unserer dialogorientierten und offenen Kultur zu überzeugen. Die Bewerber sollen hautnah erleben, was unsere Branche ausmacht und wie wir unsere Mitarbeiter wertschätzen. Aber die demografische Entwicklung verändert nicht nur das Recruiting. Ebenso wichtig ist es, die Mitarbeiter, die da sind, zu binden. Deshalb achten wir sehr darauf, dass sich die Beschäftigten bei uns wohlfühlen, die Arbeitsbedingungen stimmen, eine gute Balance zwischen Arbeit und Freizeit möglich ist und dass sich die Mitarbeiter entsprechend ihren Talenten weiterentwickeln können.

Welche Rolle spielen soziale Netzwerke wie Facebook, YouTube oder Instagram im Recruiting?

Dr. Daniela Büchel: Wer junge Menschen ansprechen will, muss auch über soziale Netzwerke gehen. Das hat die REWE Group früh erkannt und wirbt auf YouTube und Instagram erfolgreich um Auszubildende, indem sie auf diesen Kanälen ihr Image als engagierter Ausbilder und verlässlicher Arbeitgeber stärkt sowie authentische Einblicke in die Ausbildung gibt. Die Nutzer von Facebook dagegen sind oftmals bereits über das Azubi-Alter hinaus. Deshalb adressieren REWE und PENNY hier eher Themen wie Vereinbarkeit von Beruf und Familie, moderne Arbeitsbedingungen wie Teilzeitmodelle und die Möglichkeit zum Sabbatical oder die Selbstständigkeit bei REWE.

„Beim Recruiting heißt es umzudenken: Wir warten nicht ab, bis Kandidaten sich bei uns bewerben, sondern wir gehen auf die Menschen zu und stellen uns als Händler in Deutschland als ein attraktiver, moderner Arbeitgeber vor.“ Dr. Daniela Büchel,
Bereichsvorstand Handel Deutschland
Human Resources/Nachhaltigkeit

Junge Leute hören beim Thema Berufswahl auf den Rat von Freunden und Eltern. Welche Bedeutung hat das Influencer-Marketing, insbesondere beim Recruiting von Auszubildenden in Deutschland für den Handel?

Dr. Daniela Büchel: Influencer sind für junge Menschen häufig so eine Art Kumpel. Sie genießen oftmals hohe Glaubwürdigkeit, weil sie ihren Content selbst erstellen und die Sprache ihrer Community, also ihrer Fans und Follower, sprechen. In vielen Fällen verfügen sie über eine hohe Reichweite. Somit erreicht Influencer-Marketing eine klar umrissene Zielgruppe sehr viel besser als breit gestreute Anzeigen und ist – wenn es gut gemacht ist – auch sehr viel glaubwürdiger. Influencer-Marketing ist mittlerweile unverzichtbarer Bestandteil vieler Kampagnen bei REWE und wir nutzen es zur Stärkung unseres Images. Wir sind auf diesem Feld Vorreiter im Lebensmittelhandel. Unsere Aktivitäten wurden bereits mehrfach prämiert, beispielsweise mit dem HR Excellence Awards oder auch einem Sonderpreis der Lebensmittel Praxis.

Hat die gute alte Stellenanzeige in Printmedien bald völlig ausgedient?

Dr. Daniela Büchel: Zeitungen haben heute im Recruiting eine sehr viel geringere Bedeutung als noch vor zehn Jahren. Lediglich bei der Suche nach bestimmten Spezialisten wie beispielsweise Juristen oder Restaurantfachkräften spielen sie nach wie vor eine große Rolle. Hinzu kommt: Viele Eltern der Generation, die jetzt die Schule verlässt, und auch deren Lehrer sind noch Zeitungsleser – und weisen ihren Nachwuchs möglicherweise auf ein Jobangebot hin, auf das sie beim Lesen gestoßen sind.

Dicke Bewerbungsmappe oder schlanke Online-Bewerbung: Wie gestaltet die REWE Group den Bewerbungsprozess?

Dr. Daniela Büchel: Wichtig ist, dass Bewerber schnell und ohne großen formalen Aufwand ihr Interesse an einem Jobangebot bekunden können. Egal, ob klassisch per Brief, elektronisch per E-Mail oder in unserem Online-Portal. Das ist bei der REWE Group alles möglich. Wenn dann die Bewerbung bei uns vorliegt, geben wir dem Interessenten rasch ein Feedback und leiten die weiteren Schritte ein. Bewerber haben einen Anspruch auf eine zeitnahe Information und wir möchten interessante Kandidaten so schnell wie möglich persönlich kennenlernen.

Der Arbeitsmarkt für hochqualifizierte Kräfte wird zunehmend international. Wie stellt sich die REWE Group darauf ein?

Dr. Daniela Büchel: Der deutsche Lebensmittelhandel ist verglichen mit anderen Branchen, etwa der Konsumgüter- oder IT-Industrie, nach wie vor vergleichsweise wenig international geprägt. Die Unternehmenssprache ist grundsätzlich Deutsch und die überwiegende Mehrzahl der Führungspositionen wird von deutschen Managern besetzt. Das wird voraussichtlich nicht so bleiben. Die REWE Group hat bereits viele Leitungsfunktionen, bis hinauf in den Vorstand, internationalen Managern übertragen. Dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren fortsetzen. Auch im Recruiting werden wir in Zukunft verstärkt multinationaler denken und handeln müssen.

Inwieweit können Geflüchtete dazu beitragen, den in vielen Bereichen bereits erkennbaren Mangel an Fachkräften in Deutschland auszugleichen?

Dr. Daniela Büchel: Die REWE Group unternimmt in Deutschland erhebliche Anstrengungen zur beruflichen Integration Geflüchteter. Wir arbeiten nach einem strukturierten, nachhaltigen Konzept, für das wir von Arbeitsmarktexperten viel Anerkennung erhalten. Wir möchten Geflüchtete langfristig für einen Job in unserem Unternehmen gewinnen. In vielen Fällen ist das bereits gelungen – zum Gewinn für beide Seiten. Aber die Hürden sind nach wie vor hoch. Das liegt zum einen an der Sprachbarriere, zum anderen an den rechtlichen Rahmenbedingungen. In der Region Süd haben wir in einem groß angelegten und sehr anerkannten Projekt sehr gute Erfahrungen damit gemacht, Geflüchteten Praktikumsplätze insbesondere im Vertrieb und der Logistik anzubieten und ihnen hierüber ein mögliches Arbeitsfeld nahezubringen. Ist das Praktikum für beide Seiten erfolgreich, werden die Geflüchteten – vornehmlich mit Anerkennung – in eine 6- bis 12-monatige Einstiegsqualifizierung übernommen. Die Zeit wird intensiv zur Sprachqualifizierung genutzt und geht dann in eine dreijährige Ausbildung über. Sind die Geflüchteten anerkannt, kann der Mitarbeiter nach der Ausbildung übernommen werden. Geflüchtete, die eine dreijährige Ausbildung absolvieren, aber als Flüchtling nicht anerkannt, sondern nur geduldet werden, dürfen mindestens zwei weitere Jahre in Deutschland arbeiten. Die REWE Group ist sehr daran interessiert, den Geflüchteten eine nachhaltige Berufsperspektive zu geben, daher konzentrieren wir uns auf die Rekrutierung von Geflüchteten mit bereits anerkannten Asylanträgen.

Wer gute Mitarbeiter gewinnen will, muss kreativ sein und manchmal auch ungewöhnliche Wege gehen – wie die REWE Group bei ihrer Kooperation im Bereich der Personalvermittlung mit der Bundeswehr. Welches Potenzial hat diese Zusammenarbeit?

Dr. Daniela Büchel: Die Zusammenarbeit von Bundeswehr und REWE Group ist für beide Partner von großem Nutzen. In jedem Jahr scheiden bei der Bundeswehr etwa 10.000 bis 15.000 Soldatinnen und Soldaten aus, die zunächst mit individuellen Weiterbildungsmaßnahmen auf einen Wechsel in den zivilen Arbeitsmarkt vorbereitet werden. Wir können diesen Menschen qualifizierte Karrierechancen bieten und zugleich eröffnet sich für uns eine zusätzliche Möglichkeit, unseren großen Personalbedarf zu decken. Die REWE Group veröffentlicht regelmäßig geeignete Arbeits-, Ausbildungs- und Praktikumsplätze im internen Stellenvermittlungssystem des Berufsförderungsdienstes der Bundeswehr, präsentiert sich bei Informationsveranstaltungen für ausscheidende Soldatinnen und Soldaten als Arbeitgeber und unterstützt den Berufsförderungsdienst der Bundeswehr mit Informationsmaterial.

Wie sucht das REWE Group Recruiting Center neue Mitarbeiter?

Dr. Daniela Büchel: Wir beobachten den Arbeitsmarkt und prüfen, welche Menschen zu uns passen könnten. Möglicherweise sind sie offen für eine neue berufliche Herausforderung. So sourcen wir über einschlägige berufliche Netzwerke und versuchen auch Kontakte zu Bewerbern zu halten, die sich zunächst gegen eine Tätigkeit bei uns entschieden haben – in der Hoffnung, vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt doch noch zusammenzukommen. Dazu kommt, dass wir Kontakt zu allen Bewerbern aufnehmen, die sich initiativ, also ohne konkrete Stellenausschreibung, bei uns bewerben, und diese in unseren Bewerberpool aufnehmen. Kurzum: Recruiter sind heute nicht mehr in der komfortablen Situation, dass sie aus einem großen Pool qualifizierter Bewerbungen, die ohne großes Zutun auf ihrem Schreibtisch landen, wählen können. Vielmehr müssen sie große Anstrengungen unternehmen, um im Wettbewerb mit anderen Unternehmen geeignete Kandidaten für offene Stellen zu finden.

REWE-Arbeitgeberkampagne auf City-Light
REWE-Arbeitgeberkampagne auf City-Light
Handy mit REWE-Motiv in Instagram
Karrierebroschüre der DER Touristik
toom-Kampagnenmotiv vor einem Markt

Die REWE Group als Arbeitgeber

Ob Durchstarter, Wissbegierige, Innovationstreiber, Fragensteller oder Querdenker – die REWE Group sucht stetig engagierte Talente, die Spaß an einer Tätigkeit im Handel oder in der Touristik haben und etwas bewegen wollen. Die Arbeitswelt eines großen internationalen Handels- und Touristikkonzerns ist vielfältig. Neben den klassischen Verkaufstätigkeiten in den Filialen und Märkten gibt es etwa 300 unterschiedliche Berufsbilder in den Zentralbereichen, Märkten, Reisebüros und Lägern. Ob Auszubildender, Trainee, Mitarbeiter oder Manager – jedes Level an Berufserfahrung ist gefragt, ob als Verkäufer, Reiseverkehrskaufmann, Bautechniker, Controller, IT-Spezialist oder Immobilienfachmann.
In Kooperation mit Fachhochschulen und privaten Bildungseinrichtungen bietet die REWE Group auch duale Studiengänge an, z. B. im Bereich Tourismus- oder Eventmanagement oder Wirtschaftsinformatik.
Eine gute Möglichkeit, die REWE Group als Arbeitgeber kennenzulernen, ist der Besuch einer der zahlreichen Karriereveranstaltungen, die der Konzern selber ausrichtet oder an denen er teilnimmt. Zum Beispiel der Absolventenkongress in Köln, die Women & Work in Frankfurt, Deutschlands größter Messe-Kongress für Frauen, oder die Sticks & Stones, Europas größtes Karrierefestival für homo- und heterosexuelle Studierende, Absolventen und Berufstätige, in Berlin. Einen ersten Überblick über Jobchancen und Einstiegsangebote bietet die REWE Group auf ihrer Karriere-Website.

www.rewe-group.com/de/karriere